Kapitalismus und seine Sonnen- und Schattenseiten

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Letzte Woche war ich bei H&M. Am Ausgang gab es eines dieser Hochglanz-Magazine, von denen man auf Anhieb nicht weiß, ob es sich um einen Katalog oder eine Werbebroschüre handelt – weder noch: es war Werbung unter der Tarnkappe einer Zeitschrift. Immerhin verschaffte es mir Zeitvertreib während des Mittagessens. Es gab u.a. einen aufschlussreichen Artikel darüber, wie man eine erfolgreiche Party zuhause organisiert – da konnte man geflissentlich darüber hinwegsehen, dass in jedem anderen Artikel H&M wie zufällig erwähnt wurde.

Stutzig wurde ich erst, als ich über ein Hilfsprojekt las, dass H&M zusammen mit Unicef betreibt. Es ging um die Verhütung von Kinderarbeit. Irgendetwas ließ mich innehalten. Hat nicht H&M seine Produktionsstätten in Ländern wie Philippinen, Indien, Bangladesh, Usbekistan? Und gab es nicht hin und wieder in der Vergangenheit Anschuldigungen wegen Kinderarbeit? Und sind nicht Großkonzerne wie H&M sowieso daran schuld, dass Kinderarbeit überhaupt existiert, weil die einheimische Produktion nicht konkurrieren kann? Das wäre dann so, als ob man ein Geschäft eröffnet und der Konkurrenz unter die Arme greift. Wobei die Einheimischen keine ebenbürtige Konkurrenz darstellen – deren einziger Gewinn ist meist das mühselige Überleben. Insofern ist es ja geradezu ritterlich, dass die Großkonzerne helfen wollen. Nur müssten sie das gar nicht, wenn es sie nicht gäbe, oder?! Mir schwirrte der Kopf.

Ich möchte jetzt nicht zum Boykott von H&M aufrufen, zumal ich selbst Nutznießer seiner preiswerten und modischen Angebote bin, dennoch kann man ja mal kurz einen Gedanken an dieses Thema verschwenden.

Vielleicht kauft man ab und zu einen kunsthandwerklichen Artikel oder verschenkt Fair-Trade-Kaffee zu Weihnachten, um wenigstens einen kleinen Ausgleich zu schaffen?

Jedoch eines nervt mich langsam aber sicher an H&M – die Werbung. Mittlerweile gibt es keine Straßenkreuzung in Berlin mehr, an der man nicht der Sonia Rykel-Dessous-Kollektion begegnet. Selbst ich als Frau fühle mich ab und zu unangenehm berührt durch so viel nackte Haut. Wie mag es da nur unseren Männern gehen? Die deutschen Großstädte sind wirklich ein hartes Pflaster für unsere Aufmerksamkeit. In solchen Momenten wünsche ich mich in die sibirische Tundra. Na ja, nicht wirklich. Spätestens beim „Drive in“ von Burger King weiß ich den Kapitalismus wieder zu schätzen. So haben alle -ismen ihre Vor- und Nachteile.

Shri Mataji hat uns zu diesem Thema einmal erklärt: „Alle diese „ismen“ sind Experimente der Künstlichkeit des Verstandes. Nur eine Projektion des Verstandes. Alles, was von Menschen geschaffen wird, ist künstlich. Aber was Gott geschaffen hat, ist integriert.“ (Ram Navami, London, 2nd April 1982)

Annika

6 Responses to “Kapitalismus und seine Sonnen- und Schattenseiten”

  1. isar21 Says:

    Ich denke das es wichtig ist, die Zusammenhänge einer von Gewinnmaximierung geprägten Produktion zu verstehen und zu erkennen wann man manipuliert wird. D.h. man ist in der Lage die angenehmen Seiten zu geniessen, ohne davon Abhängig zu werden. Nach und nach verändern sich dann die Kaufentscheidungen bzw. das Konsumverhalten. Gleichzeitig entwickelt sich ein “erleuchtetes” Gefühl für Qualität.

  2. Sonja Says:

    Als ich für ein Wochenende in Berlin war (ich lebe in München) sind mir diese riesigen H&M Plakate auch “krass” ins Auge gestochen. Mich hat es zum Nachdenken gebracht – eine überlebensgroße Frau; dürr, blass, mit einem unfreundlichen, irgendwie abwesenden Blick an jeder Strassenecke – das hat schon eine Wirkung, der sich keiner entziehen kann. Als Filmemacherin weiss ich von der Macht der Bilder. Mein Tip: Immer wieder den Blick in die Ferne, in die Natur richten; bewußt wahrnehmen, reflektieren; öfters mal ins Kunsthistorische Museum gehen. Und natürlich wie immer: Meditieren :-)

  3. Nirashraya Says:

    Ja, sehr guter gedanke, aber mann sollte es definitiv auch mit taten folgen, denn nur denken drüber nutzt nicht viel, und diese Werbeplakate von H&M sind richtig wirksam wie sonja es sagte,
    nur Natur ist da viel schöner und ein boticceli auch.

  4. Annika Says:

    was möchtest du tun, nirashraya? eine initiative gründen? ich bin dabei!!

  5. Annika Says:

    Nach einem Gespräch mit einem Yogi, dessen Firma mit H&M kollaboriert und der sich deshalb was H&M betrifft auskennt, muss ich die Schärfe meines Beitrags relativieren. H&M scheint tatsächlich mittlerweile eine faire Politik bezüglich Kinderarbeit und Entwicklungshilfe zu verfolgen.
    Ich bleibe aber dabei, dass mir die Werbestrategien von H&M nicht gefallen.

  6. Nirashraya Says:

    Und ich bleibe dabei , es zu weitgehend zu umfahren!

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