Die Sahaj-Kolumne: Der Gentleman – eine vom Aussterben bedrohte Spezies

Ich lese gerade eins von den unzähligen Büchern über die Unterschiede von Männern und Frauen. Ich dachte mir, es kann nicht schaden, mich auf diesem Gebiet zu belesen. Tatsächlich gibt dieses Buch verblüffende Einblicke in typische Wesensmerkmale von Männern und Frauen. Sahaj ausgedrückt beschreibt es, wie sich rechte und linke Seite im Alltag präsentieren. Zu meinem eigenen Entsetzen musste ich feststellen, dass ich mich ab und zu eher wie ein Marsianer anstatt wie eine Venusianerin verhalte. (Ich komme aus Deutschland..) Also heißt es mal wieder: einen Gang runterschalten, Eis auf die Leber, entspannen. Habe überlegt, ob ich mir ein Kühlaggregat über der Leber implantieren lassen soll, fürchte aber das Operationsrisiko. Zurück zum Buch; die erste Lektion lautet:
@ Frau: Geben Sie Ihrem Partner keine ungefragten Ratschläge, denn das empfindet er als Zweifel an seiner Kompetenz.
@ Mann: Hören Sie Ihrer Partnerin länger als fünf Minuten zu, ohne Lösungsvorschläge zu machen (sie möchte sich nämlich einfach nur mitteilen).
Die Theorie ist, dass grundlegende Unterschiede zwischen Mann und Frau zu Missverständnissen und Streitigkeiten führen. Indem man solche Unterschiede erkennt, Verständnis füreinander aufbringt und sich einander etwas annähert, kann man Frustration in der Beziehung vermeiden. Im Großen und Ganzen ist das ziemlich sahaj. Wie empfohlen, werde ich ab jetzt eine Woche lang versuchen, auf alle ungefragten Ratschläge an meinen Mann zu verzichten. Eigentlich wollte ich gestern schon damit beginnen. Doch dann suchte mein Mann nach einem Parkplatz..naja, den Rest können Sie sich denken.
Ich habe eine Beobachtung gemacht: Russische Männer sind sehr stolz – und zwar im positiven Sinne. (Ich kenne mich da aus, ich bin nämlich mit einem verheiratet.) Sie sind stolz auf ihre guten Manieren gegenüber Frauen (Tür aufhalten, in den Mantel helfen, auf der Treppe vorausgehen sind keineswegs außer Mode in Russland), sie sind stolz auf ihre Rolle als Beschützer ihrer Frauen und Familien. Zu Beginn musste ich mich erst daran gewöhnen, beschützt zu werden. Mittlerweile genieße ich es sehr. Es gibt mir die Sicherheit, meine weiblichen Qualitäten (immer öfter) auszudrücken. Leider sind Gentlemen unter den deutschen Männern unter fünfzig rar. Ich bin dafür, dass wir zurückkehren zu guten Manieren und respektvollem Umgang miteinander (das schließt natürlich die Frauen mit ein).
Annika
„Let us have competition in compassion, in mildness, in sweetness, in beautiful behaviour. Who is more cultured, who is more gentlemanly, who is deeper; keep somebody an ideal before you like that, whom you think is a very gentlemanly person or a lady who is really like a lady.“
Shri Mataji Nirmala Devi, SYDNEY, 21.03.1983
January 4th, 2010 at 19:40
Ich bin nicht so sicher, ob das Problem (nur) bei den Männern liegt, denn die Frauen haben verlernt sich helfen zu lassen und die offen gehaltenen Türen gerne anzunehmen. Vor vielen Jahren stand ich in Russland einmal im Aufzug und wunderte mich, dass trotz offener Tür einfach keiner ausstieg. Naja, ich war die einzige Frau und stand ganz hinten und erst nachdem ich erste ungeduldige Blicke geerntet hatte, hab ich verstanden, dass ich jetzt halt bitte endlich rausgehen soll, damit mir die Herren folgen können
Liebe Grüße und eine frohes Neues Jahr
Bärbel
January 4th, 2010 at 21:41
Mein Rakibruder ist aus Weißrussland und wenn wir zusammen sind, ist das wirklich toll. Nicht nur, weil wir uns echt gut verstehen, sondern auch weil er so gerne meine Tasche trägt und meine Jacke, wenns mir zu warm wird. Ich empfinde das als total nett und lasse mir gerne helfen
January 4th, 2010 at 23:19
Cooler Blog
Letztendlich können vielleicht beide Geschlechter nur sich selbst ansehen und dann beginnen, sich zu verbessern (einzeln). Wenn wir das schaffen, geht das Ganze auch langsam (wobei ich glaube, dass wir unsere Einflusskraft hier unterschätzen und es schneller geht als wir denken) auf die Kollektivität und sogar die ganze Gesellschaft über…
Wenn ich mich selbst anschaue, gibt es jedenfalls noch viel Handlungsbedarf…
January 5th, 2010 at 18:29
Lieber Karsten,
wenn Du etwas üben möchtest, kann ich Dir gerne helfen. Du darfst das nächste Mal meine Tasche tragen!
January 5th, 2010 at 19:52
Liebe Brüder und Schwestern,
ich bin diesen Büchern gegnüber die sich mit den Unterschieden von Männern und Frauen beschäftigen sehr kritisch eingestellt, da ich eine interessante Vorlesung zu geschlechterspezifischer sozialer Arbeit besucht habe. Dort wurde sich differenziert mit Geschlechterspezifik auseinandergesetzt. Leider wird in diesen Büchern der Eindruck erzielt es handle sich um wissenschaftlich belegte Theorien, was aber leider nicht stimmt. Es fehlen die Quellenangaben.
Manches davon läßt sich zwar im tägichen Leben beobachten. Doch leider finde ich diese “Gebrauchanweisungen” nach dem Motto “Laß Deinen Mann in der Höhle in Ruhe” zweier reflektierter sich respektierender Erwachsener unwürdig.
Zwei Menschen, die sich lieben und die Werte von Sahaja Yoga und Shri Mataji in ihrere Ehe respektieren sollten sich frei austauschen und individuelle Schwächen und Besonderheiten des anderen kennenlernen und sich PERSÖNLICH kennenlernen (z:B. wenn er so und so ist braucht er etwas Ruhe).
Der oder die andere mag jetzt denken: aber genau das steht doch in dem Buch! Es ist aber etwas grundlegend anderes, ob man eine PERSÖNLICHE Eigenheit respektiert oder sich ein Buch herannimmt und so überhauptnicht authentisch handelt. Insofern ist das auch überhaupt nicht “sahaj”, da es so unspontan ist, wie es nur sein kann. Das ist nämlich auch wieder nur eine Konditionierung nach dem Motto “Männer sind so, Frauen sind so”.
Laßt uns doch von diesem Denken wegkommen. Dann eröffnet sich so viel Handlungsspielraum für alle. Dann entdeckt man wie wundervoll Männer Babys versorgen können und dass Frauen ohne Probleme Reifen wechseln. In allem Yin steckt Yang und umgekehrt, alle Dietäteten und Qualitäten sind und Mann UND Frau. Dann begegnet das GÖTTLICH weibliche dem GÖTTLICH männlichem in der Ehe frei von Konditionierungen über Männlich- und Weiblichkeit.
Wahre Männlich und Weiblichkeit ist meiner Meinung nach eine viel subtilere Sache.
Daher: von mir Daumen runter für “Frauen sind vom Venus” und Co.
Liebe Grüße!
Anne
January 5th, 2010 at 20:51
liebe anne,
deine bedenken finde ich nicht angebracht. man liest ja kein buch und übernimmt alles 1:1. zu ein bisschen reflexion sollten insb. yogis fähig sein. die meisten bücher dieser art beruhen auf jahrelanger erfahrung von einzelnen – das ist für mich (insb. in verbindung mit meinem gesundem menschenverstand, meinem eigenen erfahrungsschatz und gespür für vibrationen) genauso glaubhaft wie wissenschaftliche experimente.
die genannten bücher leben meiner meinung nach v.a. vom wiedererkennungseffekt. das macht alles so interessant. und mir hat eins dieser bücher tatsächlich die augen geöffnet. es hat situationen gekonnt erklärt, die mir schon einige male begegnet sind und lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.
außerdem, wieso alle konditionierungen über bord werfen? konditionierungen gehören genauso zu uns wie unser ego. es kommt nur darauf an, dass man sie richtig einsetzt, dass man nach und nach destruktive durch konstruktive konditionierungen ersetzt.. und sich nicht völlig von ihnen beherrschen lässt. gesunde, realistische konditionierungen in punkto geschlechterrollen finde ich durchaus praktisch. sie geben einen sicheren rahmen für gesellschaftliches leben. d.h. es gibt einige frauen, die gut reifen wechseln können – sie sind doch eher eine ausnahme (ich kann es übrigens auch nicht). und ich kenne auch kaum männer, die ihre freizeit in shopping-centern verbringen – höchstens im baumarkt. ausnahmen bestätigen die regel. natürlich ist toleranz angebracht für die ausnahmen. die geschlechterrollen sind übrigens auch z.t. in den maryadas determiniert.
lg
January 5th, 2010 at 22:37
Ich Habe vor ca. 12 Jahren , teatherstück “Caveman” mit yogis angeschaut, dabei haben wir uns totgelacht und definitiv diese thema nicht ernstgenommen!
Übrigens Bärbel , du warst glaube ich auch dabei!
January 6th, 2010 at 01:32
Wenn ein Geschlecht immer weißt besser als die andere Geschlecht denn wir sind weit weg von unsere Selbst (reiner Geist oder Atman) denn wir verloren sind. Wenn wir versuchen zu sehen wie ähnlich wir sind denn wir haben etwas gefunden. Ja, Natürlich wir haben bestimmt geschlechterrollen aber wir haben von beide Eltern etwas mitgenommen und Wir sind der Segnen von Einheit.
Ja ich bin froh für der Respekt von andere Menschen wann jemand für mich die tür hält egal welcher geschlecht.
Wann können wir mit “Caveman” anfangen ??? !”%§&
January 6th, 2010 at 13:17
mein Mann will auch immer meine Tasche tragen, sei sie noch so leicht
Ein starker Mann mit einer delikaten Frauentasche unter dem Arm – ich hab oft über den Anblick geschmunzelt. Nachdem er sich aber ein paar kritische Blicke zugezogen hat, beschloss ich eine geschlechterneutrale Handtasche zu kaufen. (In Österreich gibts diesen Brauch nicht und die Leute denken sich wahrscheinlich die Tasche gehört ihm).
Habe mal eine interessante Reportage gesehen über eine matriarcharisch organisierte Gesellschaft. Die Frauen waren in dieser Gesellschaft die Entscheidungsträger. Der Interviewer fragte eine dieser Frauen, ob sie denn Männer überhaupt brauchen.
“Aber natürlich – antwortete sie – Männer sind sehr wichtig! Wer würde uns denn beschützen wenn zum Beispiel eine Spinne kommt!”
Ja, Männer sind unsere starken Beschützer und wir sollten sie darin bestärken und sie dafür schätzen
Übrigens ein sehr interessanter Blog!
January 7th, 2010 at 10:21
Super Blog, vielen Dank dafür!
Ich habe die Erfahrung gemacht dass, wenn so etwas in unseren Breitengraden mal vorkommt und mir die Tür aufgehalten wird, sich plötzlich automatisch meine Wirbelsäule aufrichtet
)) Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ein solches Verhalten bei mir das Raja Lakshmi Prinzip anspricht. Neben dieser Erfahrung von Sicherheit und Respekt merke ich auch, wie mein Verhalten sich dann gegenüber den Menschen leicht verändert – vielleicht auch würdevoller und aufmerksamer?
Es ist eine großartige Sache, dass Frauen und Männer so viele verschiedene Qualitäten haben – das macht das Leben erst interessant, spannend und in sich zu einem Ganzen…
Zum Stück Caveman, gibt’s da evtl. noch mehr Infos? Liebe Grüße aus Wien
January 7th, 2010 at 21:01
Wenn man ‘Caveman’ googelt bekommt man alle infos über die show!