Die Sahaj-Kolumne: Indisch-klassische Musik – eine Anleitung zum Genießen

Ich kann mich noch gut erinnern, als meine Mutter und ich auf dem Heimweg von einem unserer ersten SY-Programme uns über die Meditationmusik, die dort lief, unterhielten. Ich befand mich damals in einem Zustand irgendwo zwischen Verwunderung und Abscheu. Meine Mutter hatte schnell eine Theorie parat: „Diese Musik ist so wirr, dass du keinen klaren Gedanken fassen kannst – also hilft sie dir, gedankenfrei zu meditieren.“ (Es empfiehlt sich, im Programm Musik auszuwählen, die nicht auf einmal all unsere Konditionierungen von Musik sprengt.)

Mittlerweile habe ich indisch-klassische Musik zu schätzen gelernt. Mehr noch – ich lasse mich teilweise zu echten Begeisterungsstürmen hinreißen, wie etwa bei den Santoor-Konzerten von Pandit Bhajan Sopori und Sohn kürzlich in Rom. Dieser Mann ist einfach genial. Möchte ich die Erfahrung seiner Konzerte beschreiben, komme ich unweigerlich ins Schwärmen. Sobald er beginnt, zaubert er die Kundalini ins Sahasrara. Seine Musik transportiert seine Zuhörerschaft in einen Zustand ungeahnter Tiefe und Glückseligkeit.

Um ein solches Konzert auch wirklich genießen zu können, bedarf es etwas Know-How (das ist zumindest meine Erfahrung).

Regel Nummer eins: Der Musiker fängt fast nie vor 24h an zu spielen. Sorge dafür, dass du etwas vorschläfst. Das beste Konzert kann man kaum genießen, wenn man immer wieder einnickt. Ein heißer Tipp zum Wachbleiben: ein paar Süßigkeiten in der Handtasche (die finden auch schnell bei den zahlreichen Kindern in nächster Umgebung Anklang – daher genug einstecken).

Regel Nummer zwei: Wenn der Musiker anfängt zu stimmen, ist das ein guter Zeitpunkt, um nochmal auf die Toilette zu gehen. Ich habe noch kein Konzert erlebt, bei dem der Musiker in weniger als einer halben Stunde sein Instrument gestimmt hat. Aber Achtung: Gut aufpassen, sonst verpasst man den subtilen Übergang vom Stimmen zum Beginn des eigentlichen Vortrags. :-P

Regel Nummer drei: Sich niemals während des Konzertes hinlegen. Allen guten Vorsätzen zum Trotz (man will ja nur mal aus einer bequemeren Position zuhören), wird man in Sekundenschnelle einschlafen. Dann geht man lieber gleich ins Bett – vom Konzert bekommt man genauso viel mit und es ist dem Musiker gegenüber weniger respektlos.

Regel Nummer vier: In Meditation gehen. Versuchen, der Musik über das Sahasrara zu lauschen. Sich komplett dieser Erfahrung hingeben, klatschen, mitwippen, mitzählen (wer´s kann). Dann wird das Konzert tatsächlich zum Highlight des Abends und eine Erfahrung für die Ewigkeit.

Viel Vergnügen :-)

Annika

3 Responses to “Die Sahaj-Kolumne: Indisch-klassische Musik – eine Anleitung zum Genießen”

  1. Sonja Says:

    Haha, das sind wirklich gute Tips. Alle kannte ich noch nicht, vor allem den mit dem Stimmen ;-) find ich sehr hilfreich.

  2. Yvonne Says:

    Regel Nummer eins ist essentiell – wenn wir die bloß angewandt hätten, wären nicht fast alle der tollen Konzerte verschlafen worden…

  3. Stephan Says:

    Ich habe vor einigen Jahren ein erstklassiges Konzert in Cabella erlebt, bei dem fast alle anwesenden Yogies eingeschlafen sind. Die Musikerin, Zarin Sharma, war von Shri Mataji persönlich eingeladen und bezahlt worden, was nicht sehr oft vorkommt. Es hat mir im Herzen weh getan 75% des Publikums bei diesem wunderbaren Konzert schlafend vor der Bühne zu sehen. Shri Mataji hat das gesamte Konzert aufmerksam verfolgt. Nachdem die Musiker ihre Darbietung beendet hatten, lies sich Shri Mataji noch einmal das Micro geben. Was folgte war eine deutliche Definition von (an diesem Abend nicht vorhandener…) Aufmerksamkeit und Selbstbeherrschung im Allgemeinen, sowie dem Respekt vor Kunst im Besonderen. Viele Schläfer waren nun wach und haben sich an den Ohren gezogen. Ich war sehr froh an diesem Abend nicht einmal eingenickt zu sein.
    Ich denke alle vier Vorschläge sind hilfreich.
    Aber erst Nummer vier, plus etwas Beschäftigung oder sogar Studium indischer Klassik, bringt den wahren Genuss.

Kommentieren