Die Sahaj-Kolumne: Matches (und damit meine ich nicht die Streichhölzer)
Ich finde, in Sahaja Yoga gibt es auch eine andere Art „Matches“ als die, für die man ein gewisses Formular ausfüllen muss – „Matches“ in anderen Beziehungen zu Menschen. So fühle ich mich z.B. mit meiner Nachbarin (sie ist auch Sahaja Yogini) „gematched“. Meine Nachbarin kommt aus Sizilien. Wir sind seit nunmehr 3 Jahren Nachbarn. Die ersten anderthalb Jahre waren geprägt durch z.T. lautstarke Auseinandersetzungen (die Lautstärke rührte von meiner Nachbarin) und beleidigtes Schweigen (meine Antwort) . Ich kam mit ihrem Temperament nicht klar; sie nicht mit meiner Sturheit. Mit der Zeit haben wir einander besser kennengelernt und Vertrauen zueinander entwickelt. Mittlerweile ist sie meine Freundin und wir sind ein eingespieltes Organisations-Team. Ich muss sagen, ihre Freundschaft hat mich verändert. Vielleicht gerade deshalb, weil wir so unterschiedlich sind. Aus zwei völlig verschiedenen Kulturkreisen stammend, könnten unsere Konditionierungen manchmal nicht unterschiedlicher sein. Gerade das hilft zu verstehen, wie beliebig Konditionierungen sein können.
Und mit der Zeit ist ein Wunder geschehen. Meine Freundin hat gelernt, ihre Gefühle auszudrücken, ohne dass ein Mitteleuropäer kreidebleich wird. Im Gegenzug habe ich gelernt, alles ein wenig leichter zu nehmen und öfter mal mein Herz einzuschalten.
Meine Mutter ist ebenfalls gemachted – und zwar mit einer siebzigjährigen Russin, der einzigen weiteren Sahaja Yogini in ihrem Wohnort. Die beiden sind mittlerweile unzertrennlich und erscheinen meist im Doppelpack. Zwanzig Jahre Altersunterschied, völlig unterschiedliche Herkunft (Deutschland – Sibirien) und erhebliche Verständigungsprobleme werden in Sahaja Yoga spielend überwunden. Die russische Yogini verhilft meiner Mutter (notfalls mit Zwang) zur Ruhe, meine Mutter fungiert als ihr Kommunikator.
Nach diesem Ergänzungs-Prinzip funktionieren auch einige Ehen, z.B. unsere. Mein Mann heiratete als erklärter Schulmedizin-Gegner eine (völlig überzeugte Schul-) Medizinstudentin – nämlich mich. Nach vier Jahren Ehe kann ich nun sogar Homöopathie und Bachblüten etwas abgewinnen und er hat verstanden, dass Paracetamol in Maßen kein Gift ist.
Gemein ist allen diesen Matches, dass Sahaja Yoga einen zusammengeführt hat und man sich miteinander arrangieren darf/muss. Das kann im Verhältnis 1:1 sein oder es betrifft größere Gruppen z.B. die Kollektivät. Und im Prozess dieses Arrangements fängt eine Magie an zu wirken: Ecken und Kanten werden abgerieben und man wächst gemeinsam.
Annika

January 18th, 2010 at 22:04
Schöner Blog! Und wenn man es an der Kollektivität weiter verfolgt dann wachst man eben umso viel mehr!
January 20th, 2010 at 09:19
Ja, in München geht es uns ähnlich… in den letzten Wochen haben mein Mann und ich (Ich Österreicherin, er Inder) uns mit einem anderen Sahaja Yogi Paar (sie Inderin, er Deutscher) zusammengeschweisst. Wir Frauen reden gerne viel, organiseren, kommunizieren, planen; unsere Männer lieben die Tat; sie gehen zusammen postern bei eisiger Kälte, lachen über Kleinigkeiten, sie besichtigen neue Räumlichkeiten für Sahaja Yoga Programme und sind generell immer für die Tat bereit.
Olaf und ich haben aber auch was gemeinsam – wir lieben Kaffee, und das bis zum Exzess… und unsere Partner versuchen jeweils alle Tricks um uns davon abzuhalten und unsere daraus entstehende Hitzigkeit wieder auszubalancieren …