Die Sahaj-Kolumne: Der innere Frieden und was uns Raucher voraus haben
In letzter Zeit habe ich vermehrt über Lebensqualität nachgedacht und wie es um meine eigene bestellt ist. Mit dem Ergebnis: Es kommt auf die Pausen an.
Der Mensch lebt nicht, um zu arbeiten. Er arbeitet, um zu leben. Wohl dem, der Spaß an seiner Arbeit hat, dennoch sollte man es nicht übertreiben. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich von einer Aufgabe zur nächsten haste. „Erst die Pflicht – dann das Vergnügen.“ und „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Von Kindesbeinen an gehört, verankern sich diese Sprichwörter tief in unserem Unterbewusstsein. Zugegeben, ganz verkehrt sind sie nicht. Doch: Für die meisten von uns gibt so gut wie nie den Moment, an dem man alle ausstehenden Arbeiten erledigt hat. Lebt man trotzdem getreu dieser Sprichworte, kann man erst entspannen, wenn man krank ist. (Und selbst dann schleppt sich der/die Durchschnitts-Deutsche noch zum Arbeitsplatz..)
So rasen die Tage an einem vorbei, während man Aufgabe für Aufgabe in seinem Notizbuch abhakt. Nicht, dass es etwas schlechtes wäre, gewissenhaft seinen Pflichten nachzukommen. Aber nicht ausschließlich. Momente zum Innehalten dürfen nicht fehlen – sonst klappt es nicht mit dem Gleichgewicht. Diese Momente müssen nicht lang sein. Fünfmal am Tag fünf Minuten (zusätzlich zur Meditation) reichen vollkommen aus. So viele (und noch mehr) Pausen legen übrigens auch Raucher ein. Leider wird deren positiver Entspannungseffekt durch den negativen Effekt des Nikotins mehr als ausgeglichen, d.h. die Gesamtbilanz ist eindeutig negativ. Dennoch ist es gesellschaftlich zum Teil aktzeptabler sich mit einer Zigarette auf den Balkon zu verziehen als fünf Minuten ins Leere zu starren. Mein Tipp: Kaufen Sie sich Schokoladenzigaretten bei Karstadt und „rauchen“ Sie diese.
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, stoppen sie alle „running processes“ im Gehirn für einen Augenblick. Öffnen Sie das Fenster und atmen Sie ein paar mal tief durch. Leichte körperliche Übungen können erleichtern. Machen Sie sich bewusst, wo sie überhaupt sind. Verharren Sie einfach für ein paar Minuten in entspannter Haltung – völlig ziellos und unproduktiv. Der ein- oder andere wird in solchen Momenten verspüren, wie Vibrationen von ganz alleine anfangen zu fließen. In solchen Momenten zieht man automatisch in Sekundenschnelle Bilanz und gibt einem Gefühl von Zufriedenheit und Dankbarkeit Raum. Man kann sich nämlich nicht beschweren, wenn es immer wieder im Nabhi zwickt und sich Zufriedenheit nicht einstellen will, wenn man ihr gar keine Gelegenheit gibt, sich auszudrücken. Danach kann man regeneriert und voll frischer Energie sich wieder der Arbeit zuwenden.
Während des letzten Jahres habe ich eines gemerkt: Man braucht gar keinen Arbeitgeber, der einen hetzt. Das macht man bei entsprechender Veranlagung schon von ganz alleine. Da ist man auch als Hausfrau ohne Kinder vor Stress nicht sicher. Seit kurzem lege ich bewusst die oben beschriebenen Pausen ein und habe gemerkt: Das sind die Momente, auf die es eigentlich ankommt, die Lebensqualität ausmachen. Den Schildkröten beim Fressen zuschauen, einen Spaziergang machen, ein Schwätzchen mit der Nachbarin.. Das sind Momente, in denen man zu sich kommt, in denen man seinem Spirit näher kommen kann.
Annika
February 6th, 2010 at 22:28
Die besten Dinge im Leben, sind keine Dinge.
Die Herausforderung besteht darin richtig “runter zu kommen”. Bei manuellen Arbeiten ist es relativ einfach in kurzen Pausen tatsächlich abzuschalten. Eine Minimeditation ist ohne weiters möglich. Anders verhält es sich mit komplexen Intellektuellen Aufgaben. Im besten Falle befindet man sich dabei im “Flow”, das bedeutet nichts anderes als eins zu werden mit der Aufgabe (Künstler kennen diesen Zustand). Leider gelingt das nur selten, zu viel Ablenkung, Unterbrechungen, oder schlichter Leistungsdruck. Dazu kommt das Gefühl somehow immer zu Arbeiten, auch wenn man nicht arbeitet = Stress. In Deutschland besonders ausgeprägt. Wenn gar nichts mehr geht, hilft nur noch in den Süden zu fahren. Allerdings kippen Menschen die sich normalerweise auf der rechten Seite aufhalten, also sehr aktiv und plflichtbewußt sind, dann leicht in das Gegenteil. Bei uns in Deutschland wäre es wichtig den inneren Perfektionismus positiv einzustellen. Dann hätten wir alle etwas davon, ohne mit 45 ausgebrannt und kaputt zu sein. Meditation hilft sehr dabei, wichtig ist auch der innere Wille und ein klarer Blick auf die eigene Persönlichkeit.
February 8th, 2010 at 11:40
hi stephan, was meinst du mit “den inneren Perfektionismus positiv einzustellen”?
February 9th, 2010 at 07:58
Ich meine damit den eigenen Anspruch richtig einzustellen. Auf ein positives Ziel ausrichten. Am besten ein Ziel bei dem es auch, aber nicht ausschließlich, um das Wohl von Anderen geht. Etwas was man gerne tut, aber auch eine Herausforderung darstellt. Und um die eigene Meisterschaft, also das ständige Verbessern der eigenen intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten. Ein Buchtip zum Thema Motivation: “Drive”, by Daniel Pink
February 11th, 2010 at 19:35
Hey Annika,
)
wirklich toller Beitrag!
Ich habe zu Uni-Zeiten eine Studie durchgeführt zum Thema “Lebensqualität”. Das Ergebnis war, dass 90% (von 100 Befragten) unter Lebensqualität materiellen und finanziellen Wohlstand sowie Zeit für Familie und Freunden verstehen.
Natürlich empfinde ich das im groben auch so, aber es sind die Details die das Leben schöner machen bzw. auf die Kleinen Dinge kommt es an im Leben. Und das sind die Pausen, diese kleinen, anscheinend unbedeutenden 5 Minuten, die einen ganzen Tag entscheiden können. Ich werde mir das wirklich mehr zu Herzen nehmen und ausprobieren. Ich bin jetzt schon sicher das es helfen wird
Was zum Kuckuck sind Schokoladen-Zigaretten? Die werde ich gleich mal googeln und ebenfalls ausprobieren ;o)
Liebe Grüße,
Julien
February 13th, 2010 at 10:38
Ja, ich denke auch dass man generell was tun kann, in dem man sich auch bewußt für eine Arbeit entscheidet die Spass macht. Ich versuch nach dem Motto zu leben: Mach mehr von dem was dir Spass macht und weniger von dem was dir keinen Spass macht. Langsam aber sicher bewegt man sich dann auf dieses Ziel zu. Ich stimme Stephan zu dass es wichtig ist ein solches Ziel zu haben, einen Sinn hinter seiner Arbeit zu erkennen und am besten etwas zu tun das zum Wohle einer Gemeinschaft ist. Auch die Glücksforschung zeigt, dass eine solche Tätigkeit glücklicher macht als eine rein egozentrische Absicht zu verfolgen. Hat man kein höheres Ziel oder Sinn vor Augen, kommt man sehr schnell in eine “hektische Betriebsamkeit”, in der man die Dinge eben nur noch aus Pflichtbewußtsein oder um dem Arbeitgeber zu befriedigen tut. In der Rolle war ich auch sehr oft und das hinterläßt ein ganz komisches Gefühl von Leere und man steuert bei zu großer Hingabe auf das Burn-Out zu…