Authentisch leben
Alle 2 Wochen stirbt eine alte Nutztierart aus, hab ich heute, als ich am Weg zur Arbeit im Schneestau gestanden bin, auf Bayern 2 gehört. Die Hochleistungslandwirtschaft kann es sich nicht leisten mit diesen extensiver nutzbaren Rassen zu arbeiten und generell hat man heute als Bauer nur eine Chance wenn man hoch spezialisiert ist; zB auf Obst oder Gemüse oder Milch oder Schweine oder Hühner.
Mein Vater hat mir letzte Woche von einer Zeitschrift für Bauern erzählt, in der ein Artikel darüber war, wie man ein positiveres Bild, also Image eines intensiv bewirtschafteten Bauernhofes nach aussen erzeugen kann: Man nehme eine gesund aussehende ältere Rasse von Hühnern und lasse sie frei vor dem Hof rumlaufen; die Eier sind dabei nur ein angenehmes Nebenprodukt, die Hühner aber ein Marketinginstrument; und schon hat man als Vorbeispazierender den Eindruck: ach, ein traditioneller Hof, in dem die Tiere noch freilaufen dürfen und wo alles gut ist – wie früher.
Hm; frage ich mich, aber ist das authentisch? Nein, ist es nicht; das ist so wie die Packung von Standardmilch, mit glücklichen Kühen auf der saftigen Weide drauf oder die Legebatterieneierverpackung, auf der zufriedene Hennen im Strohnest sitzend dargestellt sind.
Was ist Authentizität? Authentisch sein bedeutet, nach aussen genauso aufzutreten, wie man auch im Inneren ist. Und das ist einer der Grundsätze von Sahaja Yoga: Du kannst die Welt nicht verändern, bevor du dich nicht selbst geändert hast. Dein äußeres Leben ist immer eine Reflexion deines Inneren, und jeder Konflikt, jede Konfrontation hilft dir dabei, dich wieder selbst klarer zu sehen, weiter zu kommen in deiner Introspektion und wieder ein Stückchen reifer zu werden. Das ist eines der wertvollen Geschenke der Sahaja Yoga Meditation: eine klarere Sicht auf uns selbst – und damit auch eine klarere Sicht auf die Welt. Eine Methode um zu einem authentischeren, assoziierterem Lebensstil zu finden.
Sonja
February 11th, 2010 at 11:38
das ist ein ganz wichtiges thema! ich finde nichts schlimmer als scheinheiligkeit! keiner von uns ist perfekt. wir sind alle noch auf dem weg. viele fantastische eigenschaften sind durch die praxis von sahaja yoga schon zum vorschein gekommen, aber wir alle haben noch unsere schwachpunkte. diese zu verdrängen und sich selbst und andere zu belügen, ist kontraproduktiv. man kann nur das anderen vermitteln, was man selbst – zumindest teilweise – etabliert hat. das inspiriert mich zu einem neuen post
February 11th, 2010 at 16:40
ja, auf diesen Post freu ich mich schon!
February 12th, 2010 at 12:18
Da kann ich nur zustimmen.
Ein noch so große Menge glücklicher Hühner vor der Haustüre bringt rein gar nix
- wenn man nicht selbst ein kleines, glückliches Huhn in sich hat.
February 13th, 2010 at 10:22
Hihhi, liebe Grüße von meinem glücklichen Huhn an deins
Vorallem am Samstag vormittag ist es sehr zufrieden…
February 14th, 2010 at 22:09
So bald man das mit den Hühnern geregelt hat, ist es an der Zeit die dicken Bretter zu bohren.
Authentizität im öffentlichen Außen zu erreichen ist relativ einfach. Die Frage ist, wie man sich verhält wenn die Türen geschlossen sind, dann wenn keiner mehr hinsehen kann. Wenn es ums Geld geht beispielsweise. Um den eigenen Vorteil, das “gute” Geschäft. Oder innerhalb der Familie, an einem schlechten Tag.
Als nächstes kommt die innere Authentizität. In wie weit ist unser Innerstes authentisch, Wünsche, Ideale und Handlungen im Einklang. Auch in Sahaja Yoga stellt sich das nicht automatisch ein. Im Gegenteil: Oft werden die Unterschiede zwischen Anspruch und Lebenswirklichkeit erstmal krasser, bevor es Stückchen, für Stückchen weiter geht.
Ein Learning daraus: Fanatismus entsteht immer dann, wenn Ideale und Handlungen sich von einander entfernen.
February 16th, 2010 at 06:37
Danke Stephan,
ein sehr guter Post! Du hast so recht!
Für mich heißt das immer wieder: lieber fehlerhaft ehrlich als mit schlechtem Gewissen verzweifeln weil ich noch nicht da ist wo ich gerne wäre. Und meine Erfahrung hat bisher gezeigt daß alles unerwünschte Verhalten sich über kurz oder lang in Luft auflöst, wenn man es mit dem echten Wunsch zur Veränderung der göttlichen Mutter zu Füssen legt.
Liebe Grüsse,
Anne
February 16th, 2010 at 15:42
“Fanatismus entsteht immer dann, wenn Ideale und Handlungen sich von einander entfernen.”
wow, stephan, sehr richtig!!