Die Sahaj-Kolumne: Die Wahrheit über russische Massage
Die Geschichte von meiner massierenden russischen Schwiegermutter kennen Sie ja bereits. Russen und Massage – das ist ein Thema für sich. Ich habe noch keinen Russen getroffen, der nicht auf Massage schwört (mein Mann eingeschlossen). Es gibt einige Bezeichnungen für Massagetechniken, die auf deren russischen Ursprung hinweisen so z.B. „der russische Traktor“. Dieser hat übrigens nachhaltig Eindruck bei mir hinterlassen und das nicht nur, weil ich bei der Behandlung mehrmals glaubte, meine Wirbelsäule würde brechen.
Vor kurzem waren wir in meiner Heimatstadt. Dort gibt es ein russisches Geschäft. Genau wie asiatische Geschäfte immer etwas muffig und türkische immer fruchtig-nussig riechen, haben auch russische Geschäfte ihren ganz eigenen Geruch. Der ist angesiedelt irgendwo zwischen Dosenfleisch und Pryaniki.
Als besonderes Angebot darf man im besagten russischen Geschäft in meiner Heimatstadt kostenfrei die zwei Massageliegen im Nebenraum ausprobieren. Wo bekommt man schon eine Massage umsonst? Mein Mann und ich waren bereit, uns verwöhnen zu lassen.
Es begann auch ganz harmlos. Der nette ältere Herr, der wohl bis heute nicht verstanden hat, dass ich Russisch nur nach dem Zufallsprinzip verstehe, erklärt uns lang und breit über die zahlreichen Vorteile dieser Massagebänke auf. Währenddessen weist er uns an, Platz zu nehmen. Er schnallt uns an, deckt uns liebevoll zu und schaltet die Monstergeräte mit einem breiten Goldzahn-Lächeln ein. Die Bank wird warm, ich finde es so richtig gemütlich unter der Decke – im Hintergrund die Geräusche aus dem Geschäft. Das Zimmer ist geschmückt mit Postern von Hundewelpen und Küken – tja, das russische Herz ist weich, die Schale jedoch hart. Auf einmal fängt die Monstermaschine an. Eine Art Walze walzt sich unter meinem Körper hindurch und Griffe, die wie Fallen auf- und zuschnappen tragen Sorge, dass ich nicht ausweichen kann, wenn die Walze irgendwelche Knochenvorsprünge passiert. Ich denke mir, wenigstens hat das nach 15 Minuten ein Ende. Doch da habe ich mich geirrt – mit meinem kläglichen Russisch habe ich 15 mit 45 verwechselt! Während mich die Walze foltert, redet der nette ältere Herr weiter auf mich ein. Seine Stimme untermalt meine Qualen. Ich werfe einen Seitenblick auf meinen Mann und keuche „Und, wie gefällt´s dir?“ Ihm scheint es zu gefallen. Ich traue mich nicht, den alten Herrn zu verletzen und halte tapfer aus. Nur einmal bitte ich ihn die Temperatur etwas runter zu stellen – haarscharf bevor mein Steißbein angesengt wird. Nach dieser Behandlung bin ich rechtschaffen ko. Die Verkäuferin scheint es mir anzusehen und schenkt mir einen Aufbauriegel aus Ochsenblut, den ich dankend ablehne.
Wieder zu hause angekommen, lege ich mich auf´s Sofa und reibe meine geschundenen Knochen. So schnell kriegt mich keiner mehr auf russische Massagebänke. „Russische Massagebank“ – das ist nämlich ein Synonym für moderne Folter.
PS: Und für alle, die bei dieser Kolumne den Bezug zu Sahaja Yoga vermissen, der Hinweis: Humor ist eine Qualität des Vishuddhis
PPS: Und noch ein Hinweis an alle Russischstämmigen, die diesen Text gelesen haben: I love you all!!
April 7th, 2010 at 11:07
KÖSTLICH
April 7th, 2010 at 12:47
Köstlich, Annika
))! Ich hätte mich das NIE getraut. Womöglich hast Du Dich in der russischen Sauna auch schon mit Birkenzweigen schlagen lassen. Darauf schwören die Russen ja genau so wie auf die Massage-Folter. Herzlichen Dank für diese Info. Ich nehme in die Liste der russischen No-go areas neben Saunen nun auch Massagebänke auf.
C ogromnoy ljujovju
Bärbel
April 7th, 2010 at 12:48
herrlich
April 7th, 2010 at 13:18
Als ich vor ca. 4 Jahren wieder zurück nach Guben gezogen bin (nach 20 Jahren Berlin) und ich so den ersten Abend in der neuen Praxis saß und überlegte, wie es denn nun weitergehen soll, die wöchentlichen Meditationsabende im Zentrum (damals noch Schönhauser Allee) würden mir fehlen und jede Woche nach Berlin fahren, schaffe ich nicht. Also legte ich Zettelchen aus und lud zu donnerstäglichen Meditationen. Kurz darauf meldete sich Christa, ganz aufgeregt … ob ich Sahaja-Yoga-Meditation mache, und ob sie gleich kommen könnte und sie sei so froh, daß es sowas in Guben gibt und Dr. Pavlow hätte sie geschickt, er hätte ihr ausdrücklich ans Herz gelegt zu meditieren. Wer ist Dr. Pavlow? Wjatscheslaw Pavlow ist ein russischer Manualtherapeut, und er massiert 2x wöchentlich von 8 bis 20:00 Uhr in Gubin (polnische Seite von Guben). Und er ist Sahaja-Yogi. Damit hätte ich hier in Guben natürlich nicht gerechnet, ich bin nicht so ganz allein auf weiter Flur. Ich malte mir gleich an polnisch-deutsch-russische SY-Zusammenarbeit aus und dachte natürlich auch an meinen geplagten Rücken (ein Versuch, mich mit Tuina-Massage in einer KG-Praxis verwöhnen zu lassen, scheiterte an den superlangen Fingernägeln der Masseurin). Also machte ich einen Termin aus, was nicht so einfach war, da er schon Wochen vorher ausgebucht war. Ein gutes Zeichen, dachte ich, und freute mich schon im Voraus auf das Verwöhnprogramm mit guten Vibrationen.
Als ich dann auf der Massagebank lag und er loslegte, biß ich vor Schmerz erst mal fest die Zähne zusammen. Er erwischte immer die Punkte, die besonders weh taten. Wenn es ganz schlimm wurde und mir die Tränen in den Augen standen und ich ihn bat etwas sanfter zu massieren, sagte er: “Naaiiin, muuuß soo! Das ist Düünndarm. Du muußt machen Leeberreinigung. Und mußt shoebeating . . .”, und drückte noch fester zu. Völlig fertig, doch froh, endlich von den Qualen erlöst zu sein, kam ich wieder in den Wartraum, schaute unschlüssig zum ausliegenden Terminbuch. Auf den Gesichtern der Wartenden war pure Vorfreude zu sehen (hab ich irgendwas falsch gemacht??) Ich wollte mich gerade davonschleichen, da kam die Stimme von hinten: “Sahaj-Schwester, Du muußt jede Woche kommen, dann ist niicht meehhrr schliiimm.” Also machte ich wieder einen Termin. Und dann noch einen und noch einen. Doch es wurde nicht besser, obwohl er manchmal sagte: Guut Vibraatii! Und obwohl alle in meinem Umkreis total begeistert von seinen Massagen sind.
Doch ich freue mich auf die kollektiven polnisch-russisch-deutschen Shoebeatings im Sommer an abgelegenen Seen sonntags morgens um 5:00, mit Fußbad und Meditation im Wald …
Da fällt mir soeben ein Geschenkgutschein ins Auge, cool, habe ich zu Weihnachten von einer Patientin bekommen “über eine wohltuende Massage”, die kann ich gebrauchen. Wo muß ich hin? Andrej Parfjonow – hört sich russisch an, ob ich es noch mal versuche …
LG Kathrin