Die Sahaj-Kolumne: Vayu – der Name ist Programm
Es gibt jemanden, der es definitiv wert ist, ihm eine Kolumne zu widmen. Und dieser jemand ist Vayu. Als Hundewelpe wurde er Shri Mataji geschenkt; seine ersten anderthalb Jahre verbrachte er im Schloß in Cabella. Bis eine Yogini sich beim Gassigehen verliebte und ihn zu sich nahm. Fortan belebte er unsere kleine Yogi-Nachbarschaft. Man muss hinzufügen: Vayu ist gebürtiger Italiener. Daher hört er (wenn überhaupt) nur auf italienische Kommandos und das erklärt auch sein Temperament. Er ist sehr – nennen wir es mal – extrovertiert. Mag er jemanden (und das trifft auf ungefähr alle zu, einschließlich Einbrecher), wird er diese Sympathie auch bezeugen – meist feucht-fröhlich. D.h. mit fröhlich wedelndem Schwanz wird er versuchen, dieser Person einen feuchten Lecker einmal quer über das Gesicht zu verpassen. Bei soviel ehrlich gemeinter Zuneigung fühlte ich mich manches Mal etwas überfordert.
Ich weiß nicht, wer ihm seinen Namen gab. Auf jedem Fall wird er ihm ohne Zweifel gerecht. Er scheint ein besonderes Blessing von Shri Vayu, dem Gott des Windes, zu besitzen. In Windeseile schafft er, sich aus diversen Hundehalsbändern zu befreien. Wie ein Tornado flitzt er gleich darauf der Freiheit entgegen. Vayu ist ein „free spirit“, dessen Durst nach Freiheit ihn immer wieder zu überraschenden Höchstleistungen antreibt. Über hohe Zäune springen oder sich unter denselben durchgraben, das Halsband durchkauen – Vayu ist erfinderisch, insb. wenn eine Hundedame in Riechweite ist. Wir haben schon vermutet, er könnte die Inkarnation von Houdini, dem Entfesselungskünstler sein.
Mit seinen Kunststücken hat Vayu bereits einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht unter der hiesigen Polizei, dem Ordnungsamt, diversen Hundefängern und Bewohnern dieses und einiger Nachbarorte. Nicht nur einmal sah ich im Augenwinkel einen blonden Blitz am Küchenfenster vorbeiflitzen und wusste Bescheid: Vayu war mal wieder auf Streifzug. Und dabei ließ er kein Abenteuer aus: Vermutlich veranlasste ihn seine Neugier, an allerhand herumzuprobieren, und so kehrte er manchmal mit fürchterlichen Durchfällen heim. Einmal wurde er im Baumarkt eingefangen, als er sich dort die Fische im Aquarium anschaute. Einmal fuhr er allein mit dem Zug bis ans andere Ende von Berlin – natürlich schwarz. Er machte Bekanntschaft mit diversen Tier- und Hundeheimen in der Umgebung. Vermutlich sah er seine Aufgabe darin, überall Vibrationen zu verbreiten.
Einen Hund wie Vayu kann man für eine Kollektivität nur empfehlen. Es schweißt ungeheuer zusammen, wenn man sich gemeinsam auf die Suche begibt, verzweifelt einem blitzschnellen Hund hinterherjagt oder Strategien erarbeitet, wie man ihm den Weg abschneiden oder Köder auslegen kann. Den Spaßfaktor darf man dabei auch nicht vergessen. Den hatten insb. auch die Kinder. Vayu ist nämlich ein Kinderfreund und zeigt sich Kindern gegenüber von seiner besonders spaßigen Seite. Nur bei Fernsehabenden störte er zuweilen etwas; wenn er seine Schnauze in jede Chips-Schüssel stecken musste und wenn ihm beim entspannten Liegen vor dem Fernseher gewisse Lüfte entkrochen.
Bemerkenswert ist, dass er nach all seinen Eskapaden immer irgendwie wieder zurückkehrte – teilweise auch von allein. Oder er war einfach schlau, denn seine Besitzerin bereitete ihm den Hundehimmel auf Erden. Bis sie ihn abgeben musste. Nun lebt er bei Yogis in Finnland und wird dort die Kollektivität gehörig aufmischen. Ich bin schon auf Hundegeschichten aus Helsinki gespannt. Vayu, wir werden dich vermissen.
Annika
April 21st, 2010 at 14:14
Ja es ist alles war, auch mit dem zug!
Ich vermisse in auch den er war stets voller freude, vieleicht verdiente er auch den zweiten namen Ananda!