Archive for the ‘Sahaj-Kolumne’ Category

Die Sahaj-Kolumne: Wofür Rakis sonst noch gut sein können

Friday, August 27th, 2010

Ich mache meine Rakis gerne selbst. Zum einen, weil es Spaß macht, zum anderen, weil einige Brüder auf ein selbstgemachtes Raki Wert legen. Wenn es nur nicht immer in Stress ausarten würde! Dieses Jahr habe ich bereits eine ganze Woche vor Raksha Bandhan mit den Rakis begonnen. Das war im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung um über 100%. Letztes Jahr hatte ich nämlich in fieberhafter Eile noch am Tag von Raksha Bandhan emsig Rakis er- und beschafft. In solch einer Situation muss man sich auf die einfachen Techniken wie Flechten oder Kordeldrehen beschränken.

Dieses Jahr habe ich den Dreh raus. Auf der Zugfahrt zur Arbeit und zurück schaffe ich ein Raki in Knüpftechnik – zugegeben kein besonders kompliziertes Muster. Ein Vorteil davon ist, dass die Aufmerksamkeit in Zug, Ubahn und Tram auf dem Raki ruht und nicht auf den teilweise finsteren Mitfahrern. Und noch eine Beobachtung konnte ich machen. Frauen ab 35 können dem Rakiknüpfen nicht kommentarlos zuschauen. Das scheint gegen ihre Natur zu sein. Schnell kommen Fragen zur Technik, ob ich flechte oder knote.

Gestern sitze ich in der U-Bahn und knüpfe, als zwei Damen um die 60 sich neben mich setzen. Sie scheinen mich intensiv zu beobachten, denn sie unterhalten sich nach einer kurzen Pause ausschließlich über Handarbeiten und kommentieren meine Bemühungen. Ich schalte auf Durchzug – immerhin habe ich einen anstrengenden Arbeitstag hinter mir und will nur noch mit diesem Raki fertig werden.

Da höre ich die eine sagen, „Guck mal, die Kleine ist so beschäftigt, dass sie uns gar nicht hört. Oder vielleicht versteht sie uns nicht.“ „Die Kleine!“ Sehe ich wirklich so jung aus? Ich schiebe es einfach auf´s Rakimachen. So etwas ist man ja sonst nur von Teenagern gewohnt. Ich entscheide, dass ich lieber Ausländerin als taubstumm spiele und überlege, in welcher Sprache ich bei erneuter Ansprache antworten soll. Nicht, dass mir so viele zur Verfügung ständen, aber einen Gedanken ist es wert. Ich präpariere mich, auf Englisch zu sprechen, als die U-Bahn anhält und die beiden Damen aussteigen. Glück gehabt.

Beim Rakimachen fühle ich mich in Teenagertage zurück versetzt. Damals haben wir heimlich unterm Schultisch geknotet. Und tatsächlich ertappe ich mich bei dem Gedanken, ein paar Knoten hinter meinem Computerbildschirm zu machen. Doch ich lasse es lieber bleiben. Anstatt dessen muss ich einen Artikel über Kreativität schreiben. Aber gerade bei diesem Artikel lässt die Inspiration auf sich warten. Ich bin so gefrustet, dass ich überlege, ob es auffallen würde, wenn ich aus der Mittagspause einfach nicht mehr ins Büro zurückkehren würde.

Und wenn doch, wie könnte ich es meinem Chef erklären? Z.B. könnte ich sagen, ich hätte einfach vergessen, dass noch nicht Feierabend war. Ob das unglaubwürdig klingt? Ich schleppe mich zurück ins Büro und vertreibe mir die Zeit bis zum Feierabend mit ca. 1000 mal Emails-checken und Auf-die-Uhr-gucken. Dann sitze ich endlich wieder im Zug nach hause. Bewusst wähle ich einen Platz neben einem älteren Herrn. Kaum habe ich mein Raki ausgepackt, meint dieser, seine Enkelin würde auch so etwas machen. Ich ergebe mich und fange an zu plaudern. Das nächste Mal werde ich mir Visitenkarten von unserem Zentrum einstecken, denn Rakis sind wirklich der ideale Eisbrecher!

Annika

Die Sahaj-Kolumne: Trainingscamp für Yogis

Wednesday, April 28th, 2010

Ich lese gerne Urlaubsanzeigen. Sie beflügeln die Phantasie. Bei „Urlaub in Bansin auf Usedom: Komfortable Ferienwohnung, für 2-3 Personen, 1 Minute zum Strand, gr. Balkon mit Meerblick“ kann ich mir den „Meerblick“ lebhaft vorstellen und schmecke die salzige Meeresluft auf meinen Lippen. Zwei Minuten Kopfkino – dann sitze ich wieder in unserer Küche und der Abwasch wartet. Folgendes ist mir beim Studium zahlreicher Urlaubsanzeigen aufgefallen: Es gibt kaum einen Ort, an dem nicht Ferien gemacht werden. Frei nach dem Motto „Das Gras ist grüner auf der anderen Seite des Zauns“ heißt Urlaub vor allem weg fahren, woanders hinfahren. So gibt es durchaus eine Menge Leute, die ihre Ferien in unserem Ort verbringen. Das brachte mich auf eine Idee: Wie würde eine Anzeige für unsere (Ferien-) Wohnung lauten? (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Vayu – der Name ist Programm

Wednesday, April 21st, 2010

Es gibt jemanden, der es definitiv wert ist, ihm eine Kolumne zu widmen. Und dieser jemand ist Vayu. Als Hundewelpe wurde er Shri Mataji geschenkt; seine ersten anderthalb Jahre verbrachte er im Schloß in Cabella. Bis eine Yogini sich beim Gassigehen verliebte und ihn zu sich nahm. Fortan belebte er unsere kleine Yogi-Nachbarschaft. Man muss hinzufügen: Vayu ist gebürtiger Italiener. Daher hört er (wenn überhaupt) nur auf italienische Kommandos und das erklärt auch sein Temperament. Er ist sehr – nennen wir es mal – extrovertiert. Mag er jemanden (und das trifft auf ungefähr alle zu, einschließlich Einbrecher), wird er diese Sympathie auch bezeugen – meist feucht-fröhlich. D.h. mit fröhlich wedelndem Schwanz wird er versuchen, dieser Person einen feuchten Lecker einmal quer über das Gesicht zu verpassen. Bei soviel ehrlich gemeinter Zuneigung fühlte ich mich manches Mal etwas überfordert. (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Die Wahrheit über russische Massage

Wednesday, April 7th, 2010

Die Geschichte von meiner massierenden russischen Schwiegermutter kennen Sie ja bereits. Russen und Massage – das ist ein Thema für sich. Ich habe noch keinen Russen getroffen, der nicht auf Massage schwört (mein Mann eingeschlossen). Es gibt einige Bezeichnungen für Massagetechniken, die auf deren russischen Ursprung hinweisen so z.B. „der russische Traktor“. Dieser hat übrigens nachhaltig Eindruck bei mir hinterlassen und das nicht nur, weil ich bei der Behandlung mehrmals glaubte, meine Wirbelsäule würde brechen.

Vor kurzem waren wir in meiner Heimatstadt. Dort gibt es ein russisches Geschäft. Genau wie asiatische Geschäfte immer etwas muffig und türkische immer fruchtig-nussig riechen, haben auch russische Geschäfte ihren ganz eigenen Geruch. Der ist angesiedelt irgendwo zwischen Dosenfleisch und Pryaniki.

Als besonderes Angebot darf man im besagten russischen Geschäft in meiner Heimatstadt kostenfrei die zwei Massageliegen im Nebenraum ausprobieren. Wo bekommt man schon eine Massage umsonst? Mein Mann und ich waren bereit, uns verwöhnen zu lassen. (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Yogis im Schwimmbad – Chlor und Vibrationen

Monday, March 22nd, 2010

Mein Mann und ich gehen jetzt zweimal pro Woche schwimmen. Die Bewegung tut dem Körper gut. Mal gleitet man schwerelos durch´s Wasser, mal ackert man sich Bahn für Bahn einem unbekannten Ziel entgegen – vermutlich einzig der körperlichen Müdigkeit, die einem entspannten Fernsehabend danach das gewisse Etwas verleiht. (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Meine russische Schwiegermutter

Wednesday, March 10th, 2010

Vor ein paar Wochen war meine Schwiegermutter zu Besuch. Ich muss sagen, mit meinen Schwiegereltern habe ich Glück gehabt; sie sind total in Ordnung.

Jedesmal, wenn meine Schwiegermutter zu Besuch ist, bemächtigt sie sich als erstes der Küche. Sie bringt mir bei, wie ich Gurken einlege, Sauerkraut herstelle – alles Sachen, die man in Deutschland leider nur noch selten selbst macht. Meine Schwiegermutter hat ein unerschöpfliches Repertoire an Rezepten – gute (fettige) russische Küche. Diese zaubert ein Lächeln auf das Gesicht meines Mannes und gleich darauf eine schmerzvolle Verzerrung – durch die Erinnerung daran, dass er auf all das während ihrer Abwesenheit verzichten musste. (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Wenn das Göttliche einen testet – und was man dabei über Litschis lernen kann

Wednesday, March 3rd, 2010

Jeder, der ein paar Jahre dabei ist, kennt sie: Tests – Situationen, in denen man mit dem Rücken zur Wand steht, in denen es von allen Seiten ganz Dicke kommt (wahrscheinlich, um zu verhindern, dass man sich mit etwas Angenehmem ablenken kann). Nachdem man eifrig nach einem Schlupfloch gesucht hat, nach einer Möglichkeit, das Unvermeidliche zu umgehen, steht man am Schluss vor der Wahl: „surrender“ oder aufhören zu meditieren. Das Göttliche trägt dafür Sorge, dass ein jeder diese Tests bekommt. Typischerweise sind die Tests der anderen immer kinderleicht. Z.B. würde ich einen meiner Tests gern eintauschen gegen den Test, dass man sich in Deutschland nicht eingewöhnen kann. Doch das gilt wohl nicht.. Ein Test ist nur ein echter Test, wenn er einen dort trifft, wo es so richtig wehtut. (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Romantik – vereinbar mit dem spirituellen Weg?

Friday, February 19th, 2010

Gestern war ich im Theater. Meine Freundin und ich sahen eine Komödie inklusive Liebesgeschichte – also alles, was mein Frauenherz begehrt. Das regte mich zum Nachdenken an über die romantische Liebe. Der Begriff „romantisch“ leitet sich laut Wörterbuch ab von „übertrieben zügellos, phantastisch, romanhaft“. Geprägt ist er von der kulturgeschichtlichen Epoche der Romantik. Im alltäglichen Sprachgebrauch beschreibt er die Eigenschaft einer Sache oder eines Ereignisses, Menschen mit Liebe und Sehnsucht zu erfüllen.

Die Schwierigkeit ist vermutlich, dass ein jeder etwas anderes unter Romantik versteht: klischeehaften Vorstellungen wie „zu zweit den Sonnenuntergang am Meer genießen“; Schwärmerei, wie sie bei vielen romantischen Dichtern zum Ausdruck kommt oder einfach den Ausdruck von Liebe. Klischeehafte Vorstellungen sind künstlich, nichts als Konditionierungen. Schwärmerei kann Wahncharakter annehmen und von der inneren Mitte wegführen. Nicht zufällig war Goethes Werther suizidal. In spirituellen Kreisen wird häufig von der Liebe des Spirits gesprochen, die alles und jeden umfasst. Die gibt es tatsächlich. In Sahaja Yoga ist sie durchaus erfahrbar. (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Der Kampf des Egos gegen sich selbst

Wednesday, February 17th, 2010

Kürzlich machte ich eine erfrischende Erfahrung. Ich war mit zwei anderen Yogis auf dem Rückweg von einem kleinen organisatorischen Treffen. Einer der beiden anderen hatte just eine unliebsame Aufgabe übernommen. Auf die Frage, warum er diese so bereitwillig angenommen habe, sagte er ganz unverblümt, das sei u.a. eine Möglichkeit, Anerkennung zu bekommen. Soviel Ehrlichkeit ist entwaffnend in jeder Hinsicht. Sie entwaffnet andere und v.a. das eigene Ego.

Gegen das Ego kann man nicht kämpfen. Man kann es nur auslachen. Im Ernst – die wirkungsvollste Waffe gegen das Ego ist Humor!

Wenn man eine Rolle zugeteilt bekommt, passiert es leicht, dass das Ego anschwillt. Das ist in unseren Breitengraden eine fast vorhersehbare Reaktion. Bemüht man sich krampfhaft, dies zu unterdrücken, entsteht daraus leicht ein neues Ego: nämlich das Ego, dass man angeblich gar kein Ego hat. Und dem beizukommen, ist schon um einiges schwerer. (more…)

Authentisch leben

Thursday, February 11th, 2010

Alle 2 Wochen stirbt eine alte Nutztierart aus, hab ich heute, als ich am Weg zur Arbeit im Schneestau gestanden bin, auf Bayern 2 gehört. Die Hochleistungslandwirtschaft kann es sich nicht leisten mit diesen extensiver nutzbaren Rassen zu arbeiten und generell hat man heute als Bauer nur eine Chance wenn man hoch spezialisiert ist; zB auf Obst oder Gemüse oder Milch oder Schweine oder Hühner.

Mein Vater hat mir letzte Woche von einer Zeitschrift für Bauern erzählt, in der ein Artikel darüber war, wie man ein positiveres Bild, also Image eines intensiv bewirtschafteten Bauernhofes nach aussen erzeugen kann: Man nehme eine gesund aussehende ältere Rasse von Hühnern und lasse sie frei vor dem Hof rumlaufen; die Eier sind dabei nur ein angenehmes Nebenprodukt, die Hühner aber ein Marketinginstrument; und schon hat man als Vorbeispazierender den Eindruck: ach, ein traditioneller Hof, in dem die Tiere noch freilaufen dürfen und wo alles gut ist – wie früher.

Hm; frage ich mich, aber ist das authentisch? (more…)