Archive for the ‘Sahaj-Kolumne’ Category

Die Sahaj-Kolumne: Der Kampf des Egos gegen sich selbst

Wednesday, February 17th, 2010

Kürzlich machte ich eine erfrischende Erfahrung. Ich war mit zwei anderen Yogis auf dem Rückweg von einem kleinen organisatorischen Treffen. Einer der beiden anderen hatte just eine unliebsame Aufgabe übernommen. Auf die Frage, warum er diese so bereitwillig angenommen habe, sagte er ganz unverblümt, das sei u.a. eine Möglichkeit, Anerkennung zu bekommen. Soviel Ehrlichkeit ist entwaffnend in jeder Hinsicht. Sie entwaffnet andere und v.a. das eigene Ego.

Gegen das Ego kann man nicht kämpfen. Man kann es nur auslachen. Im Ernst – die wirkungsvollste Waffe gegen das Ego ist Humor!

Wenn man eine Rolle zugeteilt bekommt, passiert es leicht, dass das Ego anschwillt. Das ist in unseren Breitengraden eine fast vorhersehbare Reaktion. Bemüht man sich krampfhaft, dies zu unterdrücken, entsteht daraus leicht ein neues Ego: nämlich das Ego, dass man angeblich gar kein Ego hat. Und dem beizukommen, ist schon um einiges schwerer. (more…)

Authentisch leben

Thursday, February 11th, 2010

Alle 2 Wochen stirbt eine alte Nutztierart aus, hab ich heute, als ich am Weg zur Arbeit im Schneestau gestanden bin, auf Bayern 2 gehört. Die Hochleistungslandwirtschaft kann es sich nicht leisten mit diesen extensiver nutzbaren Rassen zu arbeiten und generell hat man heute als Bauer nur eine Chance wenn man hoch spezialisiert ist; zB auf Obst oder Gemüse oder Milch oder Schweine oder Hühner.

Mein Vater hat mir letzte Woche von einer Zeitschrift für Bauern erzählt, in der ein Artikel darüber war, wie man ein positiveres Bild, also Image eines intensiv bewirtschafteten Bauernhofes nach aussen erzeugen kann: Man nehme eine gesund aussehende ältere Rasse von Hühnern und lasse sie frei vor dem Hof rumlaufen; die Eier sind dabei nur ein angenehmes Nebenprodukt, die Hühner aber ein Marketinginstrument; und schon hat man als Vorbeispazierender den Eindruck: ach, ein traditioneller Hof, in dem die Tiere noch freilaufen dürfen und wo alles gut ist – wie früher.

Hm; frage ich mich, aber ist das authentisch? (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Was man aus Frauenzeitschriften lernen kann

Monday, February 8th, 2010

Ich habe Frauenzeitschriften für mich entdeckt. Noch vor einiger Zeit hätte ich nie freiwillig im Zeitschriftenladen nach „Für Sie“ oder „Freundin“ gegriffen. Bis dahin war das einzig Interessante für mich die „Gala“ – Stars und Sternchen und ihr (z.T. fürchterlich adharmisches) Leben. Spätestens nach der Lektüre der „Gala“ weiß man sein einfaches Leben wieder zu schätzen. Nachdem ich nun auf einer Flugreise mehrere Frauenzeitschriften in die Hände bekam, erkannte ich, dass ich nun in die Jahre gekommen war. Der Zeiger meiner Lebenszeituhr war soweit vorgerückt, dass ich nun zur Zielgruppe dieser Zeitschriften zählte. Rezepte, Einrichtungstipps, Familiengeschichten, psychologisches Dossier..das traf genau meinen Nerv. Aus der Lektüre dieser Zeitschriften habe ich eine ganze Menge gelernt. Z.B. dass es für die Frau ab zwanzig allerhöchste Zeit ist, mit dem regelmäßigen Gebrauch einer Augenfältchencreme zu beginnen. Wussten Sie das etwa? Gleich morgen werde ich mich auf den Weg machen und eine besorgen. Immerhin bin ich schon 27! Es gab auch einige interessante Artikel wie z.B. über Empathie am Arbeitsplatz. (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Der innere Frieden und was uns Raucher voraus haben

Thursday, February 4th, 2010

In letzter Zeit habe ich vermehrt über Lebensqualität nachgedacht und wie es um meine eigene bestellt ist. Mit dem Ergebnis: Es kommt auf die Pausen an.

Der Mensch lebt nicht, um zu arbeiten. Er arbeitet, um zu leben. Wohl dem, der Spaß an seiner Arbeit hat, dennoch sollte man es nicht übertreiben. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich von einer Aufgabe zur nächsten haste. „Erst die Pflicht – dann das Vergnügen.“ und „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Von Kindesbeinen an gehört, verankern sich diese Sprichwörter tief in unserem Unterbewusstsein. Zugegeben, ganz verkehrt sind sie nicht. Doch: Für die meisten von uns gibt so gut wie nie den Moment, an dem man alle ausstehenden Arbeiten erledigt hat. Lebt man trotzdem getreu dieser Sprichworte, kann man erst entspannen, wenn man krank ist. (Und selbst dann schleppt sich der/die Durchschnitts-Deutsche noch zum Arbeitsplatz..) (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Matches (und damit meine ich nicht die Streichhölzer)

Monday, January 18th, 2010

Ich finde, in Sahaja Yoga gibt es auch eine andere Art „Matches“ als die, für die man ein gewisses Formular ausfüllen muss – „Matches“ in anderen Beziehungen zu Menschen. So fühle ich mich z.B. mit meiner Nachbarin (sie ist auch Sahaja Yogini) „gematched“. Meine Nachbarin kommt aus Sizilien. Wir sind seit nunmehr 3 Jahren Nachbarn. Die ersten anderthalb Jahre waren geprägt durch z.T. lautstarke Auseinandersetzungen (die Lautstärke rührte von meiner Nachbarin) und beleidigtes Schweigen (meine Antwort) . Ich kam mit ihrem Temperament nicht klar; sie nicht mit meiner Sturheit. Mit der Zeit haben wir einander besser kennengelernt und Vertrauen zueinander entwickelt. Mittlerweile ist sie meine Freundin und wir sind ein eingespieltes Organisations-Team. Ich muss sagen, ihre Freundschaft hat mich verändert. Vielleicht gerade deshalb, weil wir so unterschiedlich sind. Aus zwei völlig verschiedenen Kulturkreisen stammend, könnten unsere Konditionierungen manchmal nicht unterschiedlicher sein. Gerade das hilft zu verstehen, wie beliebig Konditionierungen sein können.

Und mit der Zeit ist ein Wunder geschehen. Meine Freundin hat gelernt, ihre Gefühle auszudrücken, ohne dass ein Mitteleuropäer kreidebleich wird. Im Gegenzug habe ich gelernt, alles ein wenig leichter zu nehmen und öfter mal mein Herz einzuschalten. (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Rom – Sightseeing und was sonst noch so passierte

Friday, January 8th, 2010

Alle Wege führen bekanntlich nach Rom. Dass aber keiner hinausführt, mussten mein Mann und ich schmerzlich erfahren, als wir kürzlich versuchten, aus Rom abzureisen. Der erste Flieger fiel aus, der nächste (zwei Tage später) erreichte Berlin nur mit erheblicher Zeitverzögerung. Aber das nur am Rande.

Rom ist definitiv eine Reise wert. Sieht man sich den Stadtplan an, verwundert als erstes, dass eine Stadt, deren Einwohnerzahl auf 6 Mill. geschätzt wird, mit zwei U-Bahnlinien auskommt. Macht man sich dann auf den Weg, stellt man fest, dass sie eben nicht damit auskommt – zumindest zu Hauptverkehrszeiten wäre Ölsardinenbüchse eine treffendere Bezeichnung als Metro. Macht man den Fehler und geht Sightseeing am Wochenende, sollte man als Gruppe ein Erkennungszeichen vereinbaren z.B. eine Schirmmütze mit Propeller, sonst kann man sich leicht verlieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass im alten Rom ein ähnlich geschäftiges Treiben wie heute herrschte. (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Indisch-klassische Musik – eine Anleitung zum Genießen

Tuesday, January 5th, 2010

Ich kann mich noch gut erinnern, als meine Mutter und ich auf dem Heimweg von einem unserer ersten SY-Programme uns über die Meditationmusik, die dort lief, unterhielten. Ich befand mich damals in einem Zustand irgendwo zwischen Verwunderung und Abscheu. Meine Mutter hatte schnell eine Theorie parat: „Diese Musik ist so wirr, dass du keinen klaren Gedanken fassen kannst – also hilft sie dir, gedankenfrei zu meditieren.“ (Es empfiehlt sich, im Programm Musik auszuwählen, die nicht auf einmal all unsere Konditionierungen von Musik sprengt.)

Mittlerweile habe ich indisch-klassische Musik zu schätzen gelernt. Mehr noch – ich lasse mich teilweise zu echten Begeisterungsstürmen hinreißen, wie etwa bei den Santoor-Konzerten von Pandit Bhajan Sopori und Sohn kürzlich in Rom. Dieser Mann ist einfach genial. Möchte ich die Erfahrung seiner Konzerte beschreiben, komme ich unweigerlich ins Schwärmen. Sobald er beginnt, zaubert er die Kundalini ins Sahasrara. Seine Musik transportiert seine Zuhörerschaft in einen Zustand ungeahnter Tiefe und Glückseligkeit.

Um ein solches Konzert auch wirklich genießen zu können, bedarf es etwas Know-How (das ist zumindest meine Erfahrung). (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Der Gentleman – eine vom Aussterben bedrohte Spezies

Monday, January 4th, 2010

gentlemen-webb-lg

Ich lese gerade eins von den unzähligen Büchern über die Unterschiede von Männern und Frauen. Ich dachte mir, es kann nicht schaden, mich auf diesem Gebiet zu belesen. Tatsächlich gibt dieses Buch verblüffende Einblicke in typische Wesensmerkmale von Männern und Frauen. Sahaj ausgedrückt beschreibt es, wie sich rechte und linke Seite im Alltag präsentieren. Zu meinem eigenen Entsetzen musste ich feststellen, dass ich mich ab und zu eher wie ein Marsianer anstatt wie eine Venusianerin verhalte. (Ich komme aus Deutschland..) (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Kamikaze-Schildkröte

Monday, December 21st, 2009

Es gibt einen Sorgenfall in unserem Haushalt – unsere Babyschildkröte Strolch. Normalerweise sind Schildkröten bedächtige, vorsichtige Tiere. Nicht so unser Strolch. Mit seinen zarten sechs Monaten ist ihm kein Risiko zu hoch. Vor allem liebt den freien Fall. Er stürzt sich kopfüber von allem, das eine gewisse Höhe aufweist. Das reicht vom Trinkschalenrand über seinen Unterschlupf bis hin zu unseren Händen, wenn wir ihn aus dem Terrarium nehmen. Meist enden seine Abenteuer damit, dass er (Gott sei Dank bisher nur aus niedriger Höhe) auf den Rücken fällt und hilflos mit Ärmchen und Beinchen rudert. Vielleicht versucht er ja auch zu fliegen? (more…)

Die Sahaj-Kolumne: Anatomie von Deutschland

Thursday, December 17th, 2009

deutschlandkarte2.jpg

Wussten Sie, dass über 30 000 Kinder in Berlin sprachgestört sind? Jedes elfte Kind in Berlin muss zum Logopäden. Das bestätigt einmal mehr meinen Verdacht, dass Berlin das Vishuddhi von Deutschland ist. Andere Anhaltspunkte dafür sind die berühmte „Berliner Schnauze“, dass Berlin Hauptstadt und mittlerweile fast jenseits von Multikulti ist (mit mehr Einwohnern türkischer Herkunft als Ankara und mehr als 100 000 Russen) und nicht zuletzt, dass hier auffallend viele Yogis unter Schilddrüsenproblemen leiden.

Außerdem sind Probleme in unserer Kollektivität immer nach dem gleichen Muster gestrickt. Immer wieder wird auf verschiedenste Weise das Miteinander und die Kommunikation untereinander angegriffen. Wenn man einmal erkannt hat, welche Hauptstrategie die Negativität innerhalb der eigenen Kollektivität verfolgt, kann das sehr hilfreich sein. Man kann unter Umständen a) Negativität besser erkennen und b) cooler bleiben, wenn sie wieder mal um sich greift. Denn man hat das gleiche Spiel bereits x-mal bei sich selbst und anderen beobachtet und es fällt leichter (immer öfter) der Zeuge zu bleiben. (more…)