Die Sahaj-Kolumne: Trainingscamp für Yogis

April 28th, 2010

Ich lese gerne Urlaubsanzeigen. Sie beflügeln die Phantasie. Bei „Urlaub in Bansin auf Usedom: Komfortable Ferienwohnung, für 2-3 Personen, 1 Minute zum Strand, gr. Balkon mit Meerblick“ kann ich mir den „Meerblick“ lebhaft vorstellen und schmecke die salzige Meeresluft auf meinen Lippen. Zwei Minuten Kopfkino – dann sitze ich wieder in unserer Küche und der Abwasch wartet. Folgendes ist mir beim Studium zahlreicher Urlaubsanzeigen aufgefallen: Es gibt kaum einen Ort, an dem nicht Ferien gemacht werden. Frei nach dem Motto „Das Gras ist grüner auf der anderen Seite des Zauns“ heißt Urlaub vor allem weg fahren, woanders hinfahren. So gibt es durchaus eine Menge Leute, die ihre Ferien in unserem Ort verbringen. Das brachte mich auf eine Idee: Wie würde eine Anzeige für unsere (Ferien-) Wohnung lauten? Weiter lesen »

Die Sahaj-Kolumne: Vayu – der Name ist Programm

April 21st, 2010

Es gibt jemanden, der es definitiv wert ist, ihm eine Kolumne zu widmen. Und dieser jemand ist Vayu. Als Hundewelpe wurde er Shri Mataji geschenkt; seine ersten anderthalb Jahre verbrachte er im Schloß in Cabella. Bis eine Yogini sich beim Gassigehen verliebte und ihn zu sich nahm. Fortan belebte er unsere kleine Yogi-Nachbarschaft. Man muss hinzufügen: Vayu ist gebürtiger Italiener. Daher hört er (wenn überhaupt) nur auf italienische Kommandos und das erklärt auch sein Temperament. Er ist sehr – nennen wir es mal – extrovertiert. Mag er jemanden (und das trifft auf ungefähr alle zu, einschließlich Einbrecher), wird er diese Sympathie auch bezeugen – meist feucht-fröhlich. D.h. mit fröhlich wedelndem Schwanz wird er versuchen, dieser Person einen feuchten Lecker einmal quer über das Gesicht zu verpassen. Bei soviel ehrlich gemeinter Zuneigung fühlte ich mich manches Mal etwas überfordert. Weiter lesen »

Osterpuja in Shri Matajis Haus in Genua

April 8th, 2010

Es war wohl ein kleines Wunder, dass ich mich plötzlich am Ostersonntag in Shri Matajis Haus in Genua zum Puja wiederfand. Noch heute kann ich es kaum glauben, dass ich dort war und vor allem, was ich dort erlebt und gefühlt habe…. Weiter lesen »

Die Sahaj-Kolumne: Die Wahrheit über russische Massage

April 7th, 2010

Die Geschichte von meiner massierenden russischen Schwiegermutter kennen Sie ja bereits. Russen und Massage – das ist ein Thema für sich. Ich habe noch keinen Russen getroffen, der nicht auf Massage schwört (mein Mann eingeschlossen). Es gibt einige Bezeichnungen für Massagetechniken, die auf deren russischen Ursprung hinweisen so z.B. „der russische Traktor“. Dieser hat übrigens nachhaltig Eindruck bei mir hinterlassen und das nicht nur, weil ich bei der Behandlung mehrmals glaubte, meine Wirbelsäule würde brechen.

Vor kurzem waren wir in meiner Heimatstadt. Dort gibt es ein russisches Geschäft. Genau wie asiatische Geschäfte immer etwas muffig und türkische immer fruchtig-nussig riechen, haben auch russische Geschäfte ihren ganz eigenen Geruch. Der ist angesiedelt irgendwo zwischen Dosenfleisch und Pryaniki.

Als besonderes Angebot darf man im besagten russischen Geschäft in meiner Heimatstadt kostenfrei die zwei Massageliegen im Nebenraum ausprobieren. Wo bekommt man schon eine Massage umsonst? Mein Mann und ich waren bereit, uns verwöhnen zu lassen. Weiter lesen »

Die Sahaj-Kolumne: Yogis im Schwimmbad – Chlor und Vibrationen

March 22nd, 2010

Mein Mann und ich gehen jetzt zweimal pro Woche schwimmen. Die Bewegung tut dem Körper gut. Mal gleitet man schwerelos durch´s Wasser, mal ackert man sich Bahn für Bahn einem unbekannten Ziel entgegen – vermutlich einzig der körperlichen Müdigkeit, die einem entspannten Fernsehabend danach das gewisse Etwas verleiht. Weiter lesen »

Die Sahaj-Kolumne: Meine russische Schwiegermutter

March 10th, 2010

Vor ein paar Wochen war meine Schwiegermutter zu Besuch. Ich muss sagen, mit meinen Schwiegereltern habe ich Glück gehabt; sie sind total in Ordnung.

Jedesmal, wenn meine Schwiegermutter zu Besuch ist, bemächtigt sie sich als erstes der Küche. Sie bringt mir bei, wie ich Gurken einlege, Sauerkraut herstelle – alles Sachen, die man in Deutschland leider nur noch selten selbst macht. Meine Schwiegermutter hat ein unerschöpfliches Repertoire an Rezepten – gute (fettige) russische Küche. Diese zaubert ein Lächeln auf das Gesicht meines Mannes und gleich darauf eine schmerzvolle Verzerrung – durch die Erinnerung daran, dass er auf all das während ihrer Abwesenheit verzichten musste. Weiter lesen »

Shri Mataji über Kunst

March 8th, 2010

Heute erst habe ich in der Zeitung gelesen, dass die Amerikaner verrückt danach sind, zu kaufen. Ich bin auch verrückt darauf, Dinge für euch zu kaufen, das sage ich euch. Überall, wo ich hingehe, versuche ich, Geschenke zu kaufen. Die ganze Zeit kaufe ich Dinge, aber nur Dinge, die künstlerisch sind, Dinge, die mit der Hand gemacht wurden, denn die europäische Mode ist eine so komische Sache, dass sie alles in einfacher Weise wollen. Sie mögen nichts, das orientalisch ist, nichts Klassisches. Sie waren diejenigen, die alles Klassische begannen, nun wollen sie, dass alles einfach ist, simpel; ich kann das nicht verstehen. Gott hat uns eine Nase gegeben, die vorspringt, und Ohren, ich meine: sollen wir sie abschneiden? So sehr, dass sie nicht daran denken, was aus den Künstlern werden wird. Künstler erschaffen und sie möchten ihre überschwänglichen Gefühle in ihrer Kunst ausdrücken, und wir wollen nicht sehen, warum sie so sind. Wir fühlen nicht auf diese Art. Wir tragen sehr einfache Kleider. Schaut: dadurch, dass man ein einfaches Kleid trägt, wird man nicht innerlich einfach.“ (Flughafen Wien, 18.07.1994) Weiter lesen »

Die Sahaj-Kolumne: Wenn das Göttliche einen testet – und was man dabei über Litschis lernen kann

March 3rd, 2010

Jeder, der ein paar Jahre dabei ist, kennt sie: Tests – Situationen, in denen man mit dem Rücken zur Wand steht, in denen es von allen Seiten ganz Dicke kommt (wahrscheinlich, um zu verhindern, dass man sich mit etwas Angenehmem ablenken kann). Nachdem man eifrig nach einem Schlupfloch gesucht hat, nach einer Möglichkeit, das Unvermeidliche zu umgehen, steht man am Schluss vor der Wahl: „surrender“ oder aufhören zu meditieren. Das Göttliche trägt dafür Sorge, dass ein jeder diese Tests bekommt. Typischerweise sind die Tests der anderen immer kinderleicht. Z.B. würde ich einen meiner Tests gern eintauschen gegen den Test, dass man sich in Deutschland nicht eingewöhnen kann. Doch das gilt wohl nicht.. Ein Test ist nur ein echter Test, wenn er einen dort trifft, wo es so richtig wehtut. Weiter lesen »

Die Sahaj-Kolumne: Romantik – vereinbar mit dem spirituellen Weg?

February 19th, 2010

Gestern war ich im Theater. Meine Freundin und ich sahen eine Komödie inklusive Liebesgeschichte – also alles, was mein Frauenherz begehrt. Das regte mich zum Nachdenken an über die romantische Liebe. Der Begriff „romantisch“ leitet sich laut Wörterbuch ab von „übertrieben zügellos, phantastisch, romanhaft“. Geprägt ist er von der kulturgeschichtlichen Epoche der Romantik. Im alltäglichen Sprachgebrauch beschreibt er die Eigenschaft einer Sache oder eines Ereignisses, Menschen mit Liebe und Sehnsucht zu erfüllen.

Die Schwierigkeit ist vermutlich, dass ein jeder etwas anderes unter Romantik versteht: klischeehaften Vorstellungen wie „zu zweit den Sonnenuntergang am Meer genießen“; Schwärmerei, wie sie bei vielen romantischen Dichtern zum Ausdruck kommt oder einfach den Ausdruck von Liebe. Klischeehafte Vorstellungen sind künstlich, nichts als Konditionierungen. Schwärmerei kann Wahncharakter annehmen und von der inneren Mitte wegführen. Nicht zufällig war Goethes Werther suizidal. In spirituellen Kreisen wird häufig von der Liebe des Spirits gesprochen, die alles und jeden umfasst. Die gibt es tatsächlich. In Sahaja Yoga ist sie durchaus erfahrbar. Weiter lesen »

Die Sahaj-Kolumne: Der Kampf des Egos gegen sich selbst

February 17th, 2010

Kürzlich machte ich eine erfrischende Erfahrung. Ich war mit zwei anderen Yogis auf dem Rückweg von einem kleinen organisatorischen Treffen. Einer der beiden anderen hatte just eine unliebsame Aufgabe übernommen. Auf die Frage, warum er diese so bereitwillig angenommen habe, sagte er ganz unverblümt, das sei u.a. eine Möglichkeit, Anerkennung zu bekommen. Soviel Ehrlichkeit ist entwaffnend in jeder Hinsicht. Sie entwaffnet andere und v.a. das eigene Ego.

Gegen das Ego kann man nicht kämpfen. Man kann es nur auslachen. Im Ernst – die wirkungsvollste Waffe gegen das Ego ist Humor!

Wenn man eine Rolle zugeteilt bekommt, passiert es leicht, dass das Ego anschwillt. Das ist in unseren Breitengraden eine fast vorhersehbare Reaktion. Bemüht man sich krampfhaft, dies zu unterdrücken, entsteht daraus leicht ein neues Ego: nämlich das Ego, dass man angeblich gar kein Ego hat. Und dem beizukommen, ist schon um einiges schwerer. Weiter lesen »