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Geschichte

Die Anfänge von Sahaja Yoga in Deutschland und eine Suchergeschichte

Die Anfänge meiner spirituellen Suche  mögen in mancher Hinsicht typisch sein  für die gesellschaftliche Atmosphäre, die Suche nach Sinn, nach neuen kollektiven und individuellen Lebensentwürfen Ende der 60iger Jahre

Im Übrigen mögen die  kleinen Stolperfallen im Laufe meines Sucherlebens all diejenigen, die sich mit hohen Ansprüchen  manchmal peinigen und das spielerische  Element aus den Augen verlieren, etwas versöhnlich stimmen.

Meine Geschichte mit Sri Mataji fängt 1970 an. Na ja, das sehe ich halt im Rückblick so.

Ich war zu der Zeit zwischen meinem 16ten und 17ten Lebensjahr und lebte mit meinen

Eltern und meinem Bruder in der Nähe der damaligen deutschen Hauptstadt Bonn. Dort ging ich auch zur Schule und erlebte die großen Demonstrationen der linken Bewegung gegen Vietnamkrieg und Aufrüstung hautnah. Doch mein politisches Interesse hielt sich in Grenzen.

Andere Einflüsse der Hippizeit machten einen stärkeren Eindruck auf mich. Immerhin war in Bonn die zweite große Kommune nach Berlin entstanden und brachte allerlei Gerüchte hervor. Die ersten „Smoke Inns“ fanden im Hofgarten der Uni statt.

An meiner Schule machten sich Drogen breit. Nächtliche Diskussionen über die richtige Lebensweise  trieben allerhand Blüten, aber keine wirklichen Ergebnisse.

Dann machten auch die  ersten Einflüsse indischer Kultur und spiritueller Suche die Runde und Hermann Hesse‘s Siddharta wurde zu einer der Leitinspirationen.

Ich erinnere mich dass mein Sportlehrer, der Olympiasieger im Fechten war, wenig Verständnis hatte, als ich ihn mit der These konfrontierte, dass Yoga eigentlich besser sei als Sport. Mein Mathematiklehrer zeigte sich ziemlich verärgert als ich beschloss im Sommer barfuß in die Schule zu kommen.

 

Leider nahmen Drogen einen immer größeren Raum  in der Jugendbewegung ein und viele reklamierten einen Einfluss auf die sog. Bewusstseinserweiterung, was immer man sich zu der Zeit darunter vorstellte.

Kurze Zeit darauf  konnte man die ersten schrecklichen Auswirkungen von LSD und vor allem auch von Heroin deutlich sehen. Ich war schockiert über die drastischen negativen Veränderungen, die ich bei Freunden aus meiner Klasse oder der Szene feststellte.

Aber immerhin brodelte die Zeit vor Veränderung und Infragestellung des sogenannten normalen Lebens. Ich wusste sehr bald, dass die Veränderung des Bewusstseins nicht darin liegen konnte irgendwelche chemischen Substanzen einzunehmen, und Alkohol war sowieso out und galt als bürgerlich. Mit diesem Hintergrund fiel es mir nicht so schwer ab meinem 17/18 Lebensjahr  auf alle Drogen oder auch Zigaretten und Alkohol zu verzichten.

Die spirituelle Suche wurde intensiver. Ich kann heute nicht mehr sagen welches Buch oder welche Begegnung  den stärksten Einfluss auf mich hatte. Ich kann mich nur  sehr genau an ein durchbrechendes Ereignis erinnern was meine Suche extrem verstärkt haben muss.

 

Ja, es war 1970; wann genau kann ich nicht mehr sagen……ob es um den 5. Mai war an dem zu der Zeit eine unbekannte Inderin am Meer bei Bordi an einem Baum saß und eine Revolution in der spirituellen Welt  entfachte… ich weiß es nicht genau.

Ich hatte im Fernsehen eine Sendung über Autosuggestion, autogenes Training oder Gott weiß was gesehen, in der empfohlen wurde sich auf einen Punkt zu konzentrieren…an genaueres kann ich mich nicht erinnern. Am nächsten Tag lag ich am Nachmittag auf meinem Bett und fixierte  die Decke über mir.

Plötzlich erfuhr ich einen Zustand, den ich noch nie erlebt hatte. Ich schloss die Augen. Meine zaghaften Erfahrungen mit Haschisch waren nichts dagegen. Ich fühlte mich völlig körperlos, als ob schwebend. Der beseelte glückliche Zustand hielt so lange an bis ich das Bedürfnis hatte, jemandem  mitzuteilen was ich erlebt hatte. Als ich die Augen aufmachte, hatte alles um mich „Bedeutung“. Jede Wahrnehmung eines Details im Raum gewann das Gefühl das „Ganze“ zu berühren. – Ich ging ich in die Küche um mit meinem Bruder und meiner Mutter dieses umwerfende innere Erlebnis zu teilen. An den Verlauf dieses Gespräches kann ich mich nicht erinnern, nur so viel, dass sie meine Erfahrung wohl mit meinem, allerdings geringen Haschischkonsum in Verbindung brachten.

Zurückschauend kann ich nicht anders, als anzunehmen, das Sri Mataji‘s Öffnung des kollektiven Sahasrara kleine Wellen auch in Deutschland hervorrief, die ein Sucher auffangen konnte… und vielleicht sind an dem Tag ein Paar Fäden des großen Strangs im Sushumna Nadi aufgestiegen bis zu meinem Sahasrara. Wie auch immer…..auf jedem Fall wusste ich seit dem Tag zu welchen wunderbaren Erfahrungen mein Geist fähig war.

 

Leider war Sri Mataji zu dieser Zeit noch nicht in Europa  und meine spirituelle Suche machte einen unseligen Umweg über den „Guru“ der Beatles, der auch Vorträge in Bonn gab.

Gott sei Dank blieb mir eine persönliche Begegnung erspart und ich war dankbar , das Sri Mataji ihn später als „falschen Propheten“ entlarvte.

Ich tauchte in den nächsten Jahren zwar nur in die unterste Ebene der Gruppe ein, hatte aber nach einigen Jahren das Gefühl in einem Glashaus zu sitzen und isoliert von anderen Menschen zu sein. Dazu kamen  einige schreckliche Träume in denen ich im wahrsten Sinne durch die Hölle ging.

Sri Mataji erzähle später öfter die Geschichte als Beispiel, wie ich nach meiner Selbstverwirklichung alle Bücher und Schriften von der TM Zeit in meinem kleinen Ofen auf einem entlegenen Schwarzwaldhof verbrannte und lobte diese Konsequenz.

Der Wunsch zur Veränderung war in mir gereift als mir 1978 mein bester Studienfreund  von einer interessanten Begegnung berichtete. Viele Kommilitonen im Sozialarbeiter-Studium in Freiburg hatten sich stark mit ihrer persönlichen Vergangenheit beschäftig und versucht Wege zu finden die inneren Probleme mit psychologischen Erkenntnissen zu lösen. Einige suchten irgendeine Form von Therapie oder Beratung. Mein Freund hatte Kontakt zu einer Psychologin die ihre Praxis zeitweise einem jungen indischen Psychologen zur Verfügung stellte, der in London studiert hatte und praktische Erfahrung sammeln musste Also flog Rustom, einer der ganz frühen Sahaja-Yogis in der Zeit, regelmäßig nach Freiburg und hatte einige Patienten zur Gesprächstherapie. Einer von diesen Patienten war nun mein Freund. Nach einigen Sitzungen erzählte Rustom meinem Freund von Sri Mataji und versuchte wohl auch ihm die Erfahrung der „Selbstverwirklichung“ zu geben.

 

Mein Freund erzählte mir von dem Meeting und von der Tatsache, dass Rustom die TM-Bewegung als sehr negativ dargestellt hatte. Diese Aussage viel bei mir auf fruchtbaren Boden und nach einiger Zeit hatte ich Ende 1978 ein Meeting mit Rustom verabredet, das lediglich einem Gespräch über Sahaja Yoga dienen sollte.

Rustom war eine interessante Persönlichkeit, die allein schon mit seinem „upperclass Englisch“ und seiner überaus selbstsicheren spirituellen „Aura“  sehr beeindruckend auf mich war.  Er erklärte mir die Grundzüge von Sahaja Yoga und versuche dann mir die Selbstverwirklichung zu geben.

Nun fühlte ich bei diesem Meeting weder kühl auf den Händen, was er als äußeres Zeichen der Erfahrung erklärt hatte, sondern eher Hitze in mir, noch erfuhr ich eine sehr tiefe Gedankenfreiheit oder den unglaublichen Schwall von „Ananda“, dem tiefem inneren Glück, das mir erst bei der Begegnung mit Sri Mataji zuteilwerden sollte. Trotzdem hinterließ dieses Zusammentreffen ein Gefühl einer starken Kraft die in mir gearbeitet hatte.

 

Rustom gab mir ein Bild von Sri Mataji,  das legendäre schwarzweiße Bild mit der rechten Hand erhoben und der linken Segen spendend. Er  hatte mir auch gesagt, das die große Madonnenfigur im Freiburger Münster starke Vibrationen ausstrahlt und so bin ich später öfter dorthin gegangen zum meditieren. Bei einem der zwei Besuche die Sri Mataji später nach Freiburg machte sah sie sich auch das Münster von innen an und eben diese Marienstatue. Zu den großen runden Bundglasfenstern im Münster sagte sie, das sie aussähen wie Chakras.

Ich kann nicht sagen in der nächsten Zeit sehr tiefe Erfahrungen in der Meditation gemacht zu haben, aber „irgendetwas“ hielt mich dabei. Eines Tages kam mich eine Freundin aus TM Zeiten besuchen und ich erzählte ihr über Sri Mataji. Sie hatte sich intensiver in TM eingelassen und u.a. sog. Lehrerkurse gemacht  und sog. „Flugseminare“ besucht und hatte ein Heiden Geld dafür ausgegeben. Sie hatte aber nichts dagegen, das ich mit ihr meditierte und versuche auf ihrem subtilen System zu arbeiteten. Eigentlich wusste ich nicht richtig was ich da mache, aber ich versuchte einfach dem Beispiel zu folgen was ich gesehen hatte. Zu meiner Verblüffung reagierte sie nach kurzer Zeit extrem. Sie stöhnte und hatte starke Schmerzen im Rücken wie einen Anfall. Zur gleichen Zeit musste ich öfter zur Toilette und fühlte mich, als wenn ich ausgewrungen würde. Später sah ich viele solcher intensiven Reinigungsprozesse bei Leuten die den feinsten Kern in sich mit allerhand eigenartigen Techniken malträtiert hatten und machte sie auch am eigenen Leib durch.

 

Am Ende sagte sie ganz offen das sie TM doch nicht aufgeben könnte; sie habe doch so viel investiert. Diese Erfahrung war für mich verständlicher Weise ein starker Schritt um weiter in Sahaja Yoga zu forschen, zeigte mir aber das erste Mal deutlich wie schwer es Menschen fällt, ihre einmal verfestigten Konzepte von sich und der Welt aufzugeben, speziell wenn diese Konzepte sogenannte spirituelle Inhalte haben.

Im Frühjahr 1979 kam Rustoms Freund Gregoire mit nach Freiburg zu Besuch und wir verabredeten uns. Sie versuchten beide „auf mir zu arbeiten“,  waren sich aber letztlich nicht einig ob ich nun die Selbstverwirklichung bekommen hätte oder die Kundalini lediglich erweckt war.

 

Im Sommer 1979 entschied ich mich nach London zu fahren um zu versuchen Sri Mataji zu sehen. Im ersten Ashram in London in Nordwesten Londons, in Dollis Hills sagte man mir Sri Mataji sei in Nordengland.

Anscheinend wollte oder konnte mir zu der Zeit keiner sagen wo sie sich aufhielt. So versuchte ich das Beste aus der Sache zu machen und beschloss ins schottische Hochland zu trampen. zu einer kleinen Jugendherberge an einen See namens Loch Ossian. Ich verbrachte dort zwei Tage, wanderte herum, malte und fühlte mich ziemlich eins mit mir. Als ich diesen schönen Platz verließ fuhr ich mit der Hochlandbahn wieder in Richtung Süden. Der nächste Halt war Loch Rennoch.

Ich fuhr weiter. Erst zwei bis drei Jahre später erfuhr ich, dass Sri Mataji sich genau hier aufhielt. Die Erkenntnis, dass ich im riesigen schottischen Hochland 500 Meter von Sri Mataji  entfernt war, erschütterte mich regelrecht; hatte sie mich doch zu sich geleitet ohne dass ich es ahnte. Die Geschichte hatte noch einen anderen Aspekt, der indirekt mit mir zu tun hatte. Peter und Linda Pierce waren führende Köpfe in der TM Bewegung in England gewesen und zu Sahaja Yoga gekommen.

In Loch Rannoch arbeitete Sri Mataji an diesem negativen Erbe denn dort war eine Zentrale für TM Seminare in England. So wie schon 1970 in Bordi bei Mumbai wo sich  Sri Mataji schockiert über die Rajneesh Bewegung, mit dem damaligen Seminarort konfrontierte, tat sie es auch hier in England und nahm die negativen Folgen in den Herzen und den Chakras der Sucher auf sich um sie zur Erfahrung der Selbstverwirklichung zu leiten.

 

Der Sommer verging ohne weitere Erinnerungen und Rustom kam nicht mehr nach Freiburg. Im Herbst erreichte mich dann eine Nachricht, dass es ein kollektives Treffen mit Sri Mataji in Dollis Hills geben sollte. Das war am 1 Advent 1979.

Als ich im Ashram ankam liefen die Vorbereitungen und im Haus sah es recht chaotisch aus. Die Yogis kümmerten sich nicht sonderlich um mich und ich hatte nicht gerade das Gefühl herzlich aufgenommen zu sein. Das erste „Treffen“ mit Sri Mataji  war eine sog. Pooja. Sri Mataji hielt ihre berühmte kurze Rede, die später als Advent Deklaration  bekannt wurde.

Nach dem Pooja, das im Wohnzimmer  dieses kleinen Reihenhauses in Dollis Hills stattfand, wurden die Neulingen aufgefordert sich vor Sri Mataji hinzusetzen, die Hände zu  öffnen und die Augen zu schließen. Sri Mataji war mit einem älteren Mann neben mir beschäftigt und ich weiß nicht, wie lange ich so saß. Irgendwann sprach mich Sri Mataji an. In diesem Moment  fühlte ich einen starken Aufstieg in mir bis zum Herzen und der ganze Schmerz meines  jungen Lebens schien herauszukommen und  sich in den Tränen zu ergießen. Dann sagte sie : Ho oder Ha…now it is comming up…now , laugh it out.” Das war der Augenblick wo dieser göttliche Segen und ein stilles Glück, sich wie ein Schwall über mich ergossen und die Kundalini zu meinem Scheitel aufstieg. Mein Kopf und alles darum fühlten sich an wie ein heiliger Raum. Leer und gedankenfrei und doch voll mit der Erkenntnis der großen Einheit der Schöpfung. Ich musste lachen. Ich erinnere mich kaum was danach war.

 

Als Sri Mataji dabei war das Haus zu verlassen  stand Rustom neben mir und sagte zu mir: „Go to her Feet, you won`t have the Chance so soon again„

Ich wusste nicht genau was er meinte, hatte aber gesehen, das man sich bei der Pooja vor Sri Mataji  mit der Stirn am Boden verbeugte. Also tat ich das, in dem Moment wo sie an mir vorbeiging.  Sie blieb stehen und sagte : Get up, how are you now? Do you feel it, do you feel the cool breeze?”

Ich sagte:  „nicht so wie vorher“,   ahnend dass so eine Erfahrung kein Dauerzustand sein würde und mein System lange nicht in der Lage sein würde  diese Tiefe zu halten.

Die kühle Brise auf den Händen hatte ich sowieso nicht gefühlt und musste auch später sehen, dass nicht jeder diese Erfahrung  auf gleiche Weise macht. Bei mir war es von Anfang an eine klare unverwechselbare Erfahrung in meinem ganzen Wesen.

Sie fragte : „Did you have a Guru before?” und als ich bejahte sagte sie:“ put your Hands towards me  and say 3 times: “Mother you are my Guru….“

Und plötzlich war es wieder da in seiner überwältigenden Tiefe; dieser Bliss und das total gedankenfreie Bewusstsein, die göttliche Gegenwart.

Ich schlief diese Nacht im Ashram und wachte öfter auf. Jedes Mal war ich in Glückseligkeit gebadet.

Die Tage danach waren soviel ich mich heute erinnere  permanent gedankenfrei und in nie gekannter Tiefe. Wie alle, die solch eine Erfahrung gemacht haben, versuchte ich bei der Rückkehr nach Freiburg meinen Freunden, allen voran meinem damals besten Freund, der mir von seinem Treffen mit Rustom erzählt hatte, von diesem umwerfenden Ereignis zu erzählen. Ich versuchte ihnen die Tragweite klarzumachen. Leider musste ich feststellen, dass das nicht so leicht war.

Nun ja, wir alle kennen ja solche Geschichten und wie schwer es ist einem Menschen vom Geschmack einer exotischen Frucht zu erzählen, die er noch nie gekostet hat, noch dazu wenn er gerade keinen Hunger hat. Und dann begann über die Jahre auch der Kampf mit den eigenen Unzulänglichkeiten, mit der Inkonsequenz und mit dem Fanatismus, der häufig daraus geboren wird, das man in Wirklichkeit noch nicht selbst erreicht hat, was man anstrebt, obwohl man es in guten Augenblicken  tief erfahren hat. In manchen Momenten ist es ganz da und in anderen geht man wieder durch Täler…

Die nächsten Jahre, genau gesagt die Zeit  bis heute, eigentlich mein ganzes Leben, war von da an geprägt von vielen Begegnungen mit Sri Mataji.

 

Der nächste Schritt war das erste öffentliche Programm mit Sri Mataji auf deutschem Boden. Es gab bis dahin nur eine Hand voll Yogis außerhalb von England.

1980 hatten die Schweizer Yogis eine Tour von Genf, über Lausanne, Bern, Zürich und Basel geplant. Gregoire hatte mir einen Brief geschrieben ob ich nicht auch in Deutschland ein oder zwei Programme vorbereiten könnte. Nach ganz gut besuchten Programmen in Lausanne und Genf, war die deutsche Schweiz eher etwas enttäuschend.

Ich hatte in Freiburg an meiner Fachhochschule den Audimax gemietet und war recht nervös, wie alles laufen würde, vor allem bei der Perspektive, dass ich auch etwas sagen werden müsste und wahrscheinlich einige bekannte Gesichter anwesend sein würden. Sri Mataji kam mit Gregoires Frau Catherine, Laurent und zwei weiteren Yogis.

 

Sie kamen mit der Bahn und übernachteten in einem Hotel am Münsterplatz. Ich kann mich kaum an Details des Besuchs erinnern, außer dass wir ein bisschen sight seeing in der Innenstadt machten und eben auch wie schon erwähnt das berühmte Freiburger Münster anschauten. Das Programm in der Hochschule lief gut, es war immerhin wesentlich besser besucht als die Programme in Zürich und Basel

Das zweite Programm sollte in Bonn stattfinden. Ich hatte einen Freund aus Bonner Zeiten gebeten ein Hotel zu organisieren, einen kleinen Saal zu mieten und hatte in der Zeitung eine Annonce aufgegeben. Gemessen an diesem geringen Einsatz war das Programm gar nicht schlecht besucht.

 

Das Hotel in dem Sri Mataji abgestiegen war, war zweifellos unter ihrer Würde aber ich hatte als armer Student nicht den Sinn für Sri Mataji‘s weltlichen Status als Frau eines hohen Uno Diplomaten, noch hatte ich die Mittel um in den Kategorien eines würdevolleren Hotel zu denken. Im Bad fehlte die Seife, und die Toilette war nicht absperrbar, wodurch Catherine sich vor die Bad Tür stellen musste, solange wir mit im Zimmer waren. Wir holten Brathähnchen und Pommes Frites im „Wienerwald“ gleich beim Hotel und aßen aus der Tüte. Meine Scham über diese Situation dauerte noch lange, aber Sri Mataji gab mir nie das Gefühl des Missfallens. Da sie aber die fehlende Seife erwähnt hatte ging ich im nächsten Jahr im Haus von Marie Martine in Lausanne in Sri Matajis Zimmer und schenkte ihr eine schöne Seife mit den Worten, das es mir leid täte, dass damals keine Seife im Hotel gewesen wäre. In ihrer unnachahmlichen Weise nahm sie aus ihrer Handtasche  ein Stück grüne aryuvedische Chandrika Seife  und ließ mich daran riechen. Sie machte mich darauf aufmerksam auf welche Weise gute Gerüchte das Vishuddi Chakra öffnen können. Keine Frage, dass mein übersteigertes schlechtes Gewissen, das sich, wie ich später lernte im Vishuddi Chakra manifestiert, fortgespühlt wurde und ich Sri Matajis unendliches Wohlwollen durch mich fließen fühlte. Dies scheint eine unwesentliche Episode zu sein, aber sie führte mir ihre unnachahmliche Mischung aus Diplomatie, der Süße des menschlichen Einfühlungsvermögens, der kleinen spontanen Tricks und letztlich die Lehre über die Funktion unseres subtilen Systems vor Augen, und dies alles in einem kurzen Augenblick. Seit der Zeit bin ich im Übrigen sehr sensibel gegenüber sogenannten guten Gerüchen. Das hat zur Folge, dass ich manche Räucherstäbchen oder moderne Parfüms einfach schlecht ertragen kann weil sie künstlich sind und eben gerade den positiven Effekt auf das Vishuddi Chakra nicht haben.

Bei diesem ersten Programm in Bonn, stand ich also vorn und sollte ein paar einführende Worte sprechen. Ich hatte einen großen Klos im Hals, und dachte: hier kann überhaupt nichts rauskommen. Sri Mataji bemerkte das und schaute mich von der Seite an. Da fühlte ich wie sie mit Macht meine Kundalini bewegte und den Klos auflöste. Ich begann zu sprechen  und von diesem Tag an hatte ich keine Probleme mehr vor 10, 100 oder 1000 Menschen zu sprechen. Ein Geschenk das mir sowohl in beruflicher als auch innerhalb Sahaja Yoga sehr zugute kam.

 

Die Zeiten danach waren nicht immer einfach, teils wegen eigener innerer Ausarbeitungsprozesse, teils weil die wenigen Sucher in Deutschland, die zu den Nachfolgeprogrammen kamen noch dazu schwierig bis verrückt waren. Nun ja, das war ja immer nur ein winziger Bruchteil von den Problemen mit denen sich Sri Mataji in aller Herren Ländern auseinander setzen musste wo sie später Programme gab. Spirituelle Sucher scheinen selten einfache Persönlichkeiten zu sein. Aber sie sind doch Sucher nach innerer Erkenntnis und Wahrheit… und das macht sie großartig. Wie Sri Mataji handelte, mit welcher genialen Mischung aus strengem Guru und liebevoller Mutter, sollte mir immer ein Beispiel sein wenn auch ein unerreichbares. Ich denke, ihr Handeln genau zu beobachten  und zu versuchen dies zu kopieren, war mindestens genauso wichtig in meinem Sahaja Yoga Leben wie ihre Reden zu hören und zu verinnerlichen.

 

Ich kann nicht verhehlen, dass ich manchmal Schwierigkeiten damit hatte, dass es uns allen nur ungenügend gelang Sri Mataji‘s  geniale „Mischung“ zu leben; manchmal führte unser halbes Verständnis zu Ausgrenzung und Arroganz. Diese Arroganz, sich schon auf dem Weg zum Heiligen zu wähnen und auf andere Herabzuschauen, von denen wir glaubten sie seien weniger „entwickelt“….. aber das war wohl auch ein Lernprozess durch den wir gehen mussten.

Größere Tiefe und Weisheit lehrte uns in den letzten Jahren immer mehr auf solches Verhalten zu verzichten, authentischer zu sein und die Barmherzigkeit zu leben, über die Sri Mataji in den späteren Jahren immer mehr sprach. Sie ging wohl immer davon aus, das wir schon zu viel über Liebe und Barmherzigkeit in unserer christlichen Kultur geredet hatten…ein Versprechen was nur selten aufging, und allzu häufig heuchlerisch war. Ihr Leitsatz “I am my own Guru, oder the Spirit is the Guru of our body“ hieß eben auch, dass das „ Gute“ wirklich von innen kommen muss. Solange es ein Lippenbekenntnis  bleibt kann es uns in unsere Entwicklung behindern  und zu allerhand menschlichen Komplikationen führen.

 

Ich sollte doch erwähnen, dass die Konflikte mit meiner Frau, die mir vier wunderbare Kinder schenkte, aber leider  Sahaja Yoga nicht wirklich akzeptieren konnte, auch ein wichtiger Teil meiner Suchergeschichte waren. Die Infragestellung und Kritik, der ich mich aussetzten musste, das Hin und Her zwischen Liebe und Konflikt, zwangen mich dazu, auf der Erde zu bleiben und mich  permanent auf den Prüfstand zu stellen. Trotz manchem faulem Kompromiss, den ich wohl aus Feigheit eingegangen bin, bin ich doch in der Rückschau dankbar über die Dinge wie sie waren…..

Vor allem aber bin ich tief dankbar meine spirituelle Mutter gefunden zu haben…oder hat sie doch mich gefunden wie sie manchmal sagte.

Ich kann nur jedem Leser dieser Zeilen sagen: Just try it out! It`s the greatest gift!

Thomas

Empfehlung zum weiterlesen: ShriMataji.org